Syrischer Wacholder (Juniperus drupacea Labill.)
Um es gleich zu sagen: So sehr uns die Früchte der verschiedenen Wacholderarten an Beeren denken lassen und so entschieden in kulinarischer Hinsicht von „Wacholderbeeren“ gesprochen wird – botanisch betrachtet liegen wir da ziemlich falsch: Es handelt sich dabei um die weiblichen Zapfen eines Nadelgehölzes.
So viel Botanik muss sein, aber die Gattung Juniperus bzw. Wacholder im Deutschen ist auch kulturhistorisch und ökologisch insgesamt so interessant, dass ich hier einige bemerkenswerte Details am Beispiel einer Art beschreiben will.
Besonders fleischige Zapfen als…
Weltweit werden heute über 70 verschiedene Wacholder-Arten unterschieden, von denen allein fünf wild wachsend auch im südlichen Griechenland verbreitet sind.
Das sind:
- Zedernwacholder oder Stech-Wacholder (Juniperus oxycedrus subsp. deltoides)
- Gemeiner oder Heide-Wacholder (Juniperus communis subsp. nana)
- Stinkender Wacholder (Juniperus foetidissima)
- Phönizischer Wacholder oder Rotfrüchtiger Sadebaum (Juniperus turbinata), und
- Syrischer Wacholder (Juniperus drupacea)
Zedern-Wacholder (Juniperus deltoides R.P.Adams; synonym: Juniperus oxycedrus subsp. deltoides (R.P.Adams) N.G.Passal)
Stinkender Wacholder (Juniperus foetidissima Willd.)
Zwei dieser Arten sind vielleicht besonders auffällig: Der Zedern- oder Stech-Wacholder ist vermutlich die mit Abstand häufigste Art und wird auch als „Nadelholz der Garigue“ (Werner Grandjot) bezeichnet. Und der Syrische Wacholder fällt rasch durch seine besonders große „Scheinbeeren“ auf: Mit einem Durchmesser von bis zu 25 Millimeter bringt diese Art die größten Zapfen innerhalb der Gattung Juniperus hervor.
… süß-aromatische „Beeren“
Die Zapfen des Syrischen Wacholders können wie auch jene etlicher anderer Wacholderarten von uns gegessen werden. Sie sind kugelförmig bis eiförmig, bläulich bereift und reifen im zweiten Jahr. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen, dass wir es hier mit Inhaltsstoffen zu tun haben, die nicht alle bekömmlich sind oder jedenfalls nur in kleinerer Menge verzehrt werden sollten. Zwar ist der Nährwert dieser „Zapfenbeeren“ beeindruckend (20% Protein, 37% Kohlenhydrate einschließlich 7,5% Zucker sowie 15% Fett), aber daneben gibt es auch leicht giftige ätherische Öle, die bei Kontakt zu Hautreizungen und beim Verzehr zu entsprechenden Unverträglichkeiten führen können.
Als Gewürz verwendet können die problematischen Inhaltsstoffe aber toleriert werden, der Wert des besonderen süß-würzigen Aromas der fleischigen Samenhüllen (das „Fruchtfleisch“ unserer „Beeren“) wiegt deutlich schwerer.
Die Nutzung der „Zapfenbeeren“ der dafür infrage kommenden Wacholderarten reicht weit zurück, wobei neben ihrer Verwendung zum Aromatisieren von Speisen (Sauerkraut sowie Wildgerichte und andere Fleischspeisen) auch die Herstellung von Spirituosen (Gin, Wacholderschnaps) eine gewisse Rolle spielt. Auch gilt Wacholder seit Jahrhunderten als Heilpflanze, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass man teilweise bis heute Wacholderzweige und zum Verräuchern einsetzt.
Etwas problematisch ist hingegen die Verwendung der „Zapfenbeeren“ als Arzneimittel. Zwar ist Wacholdertee verdauungsfördernd und wirkt als Diuretikum, aber bei Überdosierung drohen Nierenschäden. Aus diesem Grund sollte Wacholder hier – wenn überhaupt – nur vorsichtig und bei entsprechender Sachkenntnis eingesetzt werden sollte.
Genügsam und widerstandsfähig
Der Syrische Wacholder ist wie auch andere Vertreter dieser Gattung ein sehr genügsames und robustes Gehölz. Je nach Standortbedingungen wächst er eher strauchig oder als schmal kegeliger Baum bis etwa 17 Meter Höhe. Wir finden ihn vor allem im östlichen Mittelmeerraum von Griechenland und Türkei über Syrien und Libanon bis Israel.
Auf der Peloponnes gibt es größere Bestände im Parnon-Gebirge und im Taygetos-Massiv in Lagen zwischen 600 und 1500 Metern, gerne in Gesellschaft mit Libanon-Zeder, Kilikischer Tanne, Schwarzkiefer und Stinkendem Wacholder.
Daneben wird die Art auch gerne als Ziergehölz verwendet und wir begegnen ihr in Griechenland nicht selten in Parks, auf Friedhöfen und als Straßenbaum.
Die Zweige des Syrischen Wacholders tragen nadelförmige Blätter, die zu dritt in Wirteln stehen. Typisch sind zwei weiße Streifen an der Oberseite der Nadeln; deren Unterseite ist grün bis graugrün, weshalb das Gehölz von weitem betrachtet eher bläulichgrün erscheint.
Nachkommenschaft gesichert
Im Gegensatz zu den trocken-harten Samen der allermeisten Koniferen sind die fleischig gewordenen „Zapfenbeeren“ für viele Wildtiere und insbesondere Vögel eine attraktive und nahrhafte Nahrungsquelle. Wobei diese „Beeren“ vielfach auch noch farblich auffallen – je nach Art und Reifegrad rot-braun, dunkelblau oder fast schwarz. Und da diese Zapfen von den Tieren in der Regel als Ganzes verschluckt werden und die darin befindlichen Samen unbeschädigt den Verdauungstrakt der Tiere passieren, ist für eine Ausbreitung gut gesorgt.
Die Nachkommen sind im Übrigen entweder männlich oder weiblich, denn beim Wacholder handelt es sich um eine zweihäusige Pflanze, bei der die weiblichen Blüten durch den Wind bestäubt werden.
Was ebenfalls für eine rundum gesicherte Zukunft spricht, ist die Wehrhaftigkeit des Wacholders. Die stachelspitzigen Blätter sind ein ziemlich wirkungsvoller Schutz gegen hungrige Weidetiere … Andererseits kann sich auf bestimmten Wacholderarten – wie auch auf dem Syrischen Wacholder – die Wacholdermistel oder Wacholder-Zwergmistel (Arceuthobium oxycedri) als Halbschmarotzerpflanze bestens entwickeln. Was zwar die Wuchskraft des betroffenen Wacholders beeinträchtigt, aber wohl nur bei sehr starkem Befall zum Absterben des Gehölzes führt. Der Bestand wild wachsender Wacholder ist jedenfalls nur dort gefährdet, wo landschaftszerstörende menschliche Aktivitäten um sich greifen.
Virginische Wacholder (Juniperus virginiana ’GreyOwl‘)
Zum Vergleich:
Eine andere bemerkenswerte Wacholderart ist der Virginische Wacholder (Juniperus virginiana), der mancherorts als Ziergehölz gepflanzt wird. Hier die Auslese ’GreyOwl‘ im Botanischen Garten von Tbilisi, Georgien.
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.