Silberblättriger oder Ölweidenblättriger Nachtschatten (Solanum elaeagnifolium Cav.)
Als ich begann, mich mit der Pflanzenwelt Griechenlands zu beschäftigen – insbesondere mit Wildpflanzen – spielten Nachtschattengewächse zunächst eher eine Nebenrolle. Die griechische Küche nutzt ja einige Arten dieser Pflanzenfamilie wie Kartoffel, Tomate, Paprika und Aubergine gerne und in vielfältiger Weise, aber wild wachsende Arten wie Bittersüßer Nachtschatten, Goldgelbes Bilsenkraut, Alraune, Strauchtabak und Stechapfel sind meist weder besonders auffällig noch allzu häufig. Das hat sich bei einer bestimmten Vertreterin der Gattung Nachtschatten (Solanum) in wenigen Jahren gründlich verändert, und zwar sowohl im Raum Thessaloniki im Norden Griechenlands bis in den Süden der Peloponnes. Und es würde mich keineswegs überraschen, wenn die betreffende Art mittlerweile auch auf etlichen griechischen Inseln zu finden ist…
Reisefreudig und konkurrenzstark
Es geht um den Silberblättrigen Nachtschatten (Solanum elaeagnifolium), der wegen der Form seiner Laubblätter in manchen Publikationen auch Ölweidenblättriger Nachtschatten genannt wird. Diese Pflanzenart ist nach derzeitigem Stand der Botanik zwar nur eine von über 1200 Arten der Gattung Nachtschatten, aber es ist offenbar eine besonders konkurrenzstarke und ausbreitungswillige Art: Ursprünglich in Amerika beheimatet (südwestliche USA, Texas und Mexiko sowie Chile, Argentinien, Paraguay und Uruguay) hat der Silberblättrige Nachtschatten vor einigen Jahrzehnten seinen Weg nach Afrika, Europa, Asien und Australien gefunden. Heute begegnen wir dieser bemerkenswerten Pflanze vor allem in Ägypten, Israel, Südafrika, Simbabwe, Marokko und Spanien, Süditalien und Sizilien, Indien und – Griechenland. Hier, in Griechenland, tauchten die ersten Bestände um 1940 auf, zunächst auf die Umgebung weniger Hafenorte beschränkt. Seit wenigen Jahrzehnten lässt sich allerdings eine zunehmend rasche Ausbreitung der Pflanze feststellen, und heute bildet sie einen festen und nicht mehr zu übersehenden Bestandteil vieler Brachflächen, Weg- und Ackerränder. Hat man sie erst einmal kennengelernt, fällt sie einem später rasch auf – sowohl während der langen Blütezeit im Sommer als auch im Winterhalbjahr, wenn an den Stängeln nur noch die Früchte verblieben sind.
Einprägsame Merkmale
Der Silberblättrige Nachtschatten ist eine mehrjährige krautige Pflanze, an der Basis mitunter ein wenig verholzt, 30-100 Zentimeter hoch. Sternhaare (Trichome) lassen die Pflanze etwas weißfilzig erscheinen, die Stängel sind oft mit kleinen Stacheln bedeckt. Die lanzettlichen Laubblätter sind vor allem unterseits graugrün-silbrig, 2,5-10 Zentimeter lang und 1-4 Zentimeter breit. Der Blattrand ist meist etwas gewellt oder leicht gelappt.
Im Sommer, das heißt zwischen Mai und September, bilden sich an einem Blütenstand 1-7 (manchmal auch viel mehr) Blüten. Die einzelne Blüte ist radiärsymmetrisch, fünfzählig, 25-30 Millimeter breit, mit doppelter Blütenhülle: Der Blütenkelch hat lange Zähne, die Kronblätter sind miteinander verwachsen, etwas zerknittert, blau-violett bis lila (seltener weiß), mit langen, gelben Staubblättern und einem weißlichen Fruchtblatt mit einer grünen Narbe.
Besonders auffallend sind die Früchte des Silberblättrigen Nachtschattens, obwohl es sich um eher kleine Beeren handelt: Kugelig, 1-1,5 Zentimeter im Durchmesser, zunächst grün mit Streifen, bei Reife glänzend gelb oder gelborange, und sehr lange an den Pflanzen haftend: Vor allem im Winter leuchten einem die kleinen Früchte schon von Weitem entgegen, sei es an den in dieser Jahreszeit meist verlassenen Stränden, brach liegendem Ackerland oder anderen, ungenutzten Arealen mit sandig-durchlässigen Böden in sonniger Lage. Die perlenartigen Beeren machen die in dieser Jahreszeit nun weitgehend blattlose Pflanze seltsam attraktiv – kleine, gelbbunte Kugeln in großer Zahl in einem sonst eher graugrünen Umfeld.
Unbeliebtheit hat meist gute Gründe
Über die Samen, die jede Beere in größerer Anzahl enthält, kommt es auch zu einer raschen Ausbreitung dieser Nachtschatten-Art. Besonders leicht gelingt das auf eher trockenen, sandigen Böden in sonniger Lage wie zum Beispiel in Meeresnähe an Sanddünen und Straßenrändern. Aber die Pflanze findet sich auch auf wenig genutzten Agrarflächen und sogar in manchen Obstplantagen.
Für die Landwirtschaft wie auch für Viehzüchter ist diese Pflanze alles andere als erfreulich: Für sie ist der Silberblättrige Nachtschatten oft nicht nur ein lästiges und schwer zu bekämpfendes Ackerunkraut, sondern sie wissen auch, dass diese Pflanze für Nutztiere wie vor allem Pferde giftig ist.
Andere Nachtschatten-Arten
Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara L.)
Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum L.)
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.