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Östlicher Erdbeerbaum (Arbutus andrachne L.)

Erdbeerbäume - leuchtende Schönheiten der Macchie

Wer auf der Peloponnes im Spätsommer und gegen Ende des Jahres durch die Landschaft streift, kann kleine Bäume mit auffallend roten, kugeligen Früchten entdecken. Es handelt sich um Erdbeerbäume, Gehölze der Gattung Arbutus, bei der übrigens weltweit derzeit 16 Arten unterschieden werden. Es sind durchweg robuste Pflanzen, die insbesondere mit Trockenheit gut zurechtkommen und sich auch nach Landschaftsbränden – die hier leider allzu häufig sind – aus dem tief reichenden Wurzelwerk meist wieder gut regenerieren können. Diese Bäume sind typisch für die Maccie sowie lichte Kiefern- und Eichenwälder bis in Höhen von etwa 1 200 Meter.

Die Peloponnes bietet uns die Besonderheit, dass sich hier das Verbreitungsgebiet von zwei verschiedenen Arten dieser Gattung überschneidet. Neben dem sehr bekannten Westlichen Erdbeerbaum (Arbutus unedo L.), der vor allem in Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien verbreitet ist und seit einigen Jahren auch gerne in mediterranen Gärten gepflanzt wird, gedeiht hier auch der Östliche oder Kolchische Erdbeerbaum (Arbutus andrachne L.) sowie eine natürliche Hybridbildung namens Arbutus x andrachnoides Link. – ein Gehölz mit Merkmalen beider Stammarten (Arbutus andrachne x Arbutus unedo).

Erdbeerbäume gehören botanisch zu den Heidekrautgewächsen (Ericaceae) und so ist es nicht besonders erstaunlich, dass sie kalkarme, durchlässige Böden in sonniger Lage lieben wie zum Beispiel felsige Hänge mit niedrigen Sträuchern und lockerem Baumbestand.

Die Rinde macht den Unterschied

Auch wenn die Früchte des Westlichen Erdbeerbaums etwas größer und schmackhafter sind, fasziniert mich vor allem der Östliche Erdbeerbaum. Schon als ich vor Jahrzehnten das erste Mal einem Exemplar dieser Art gegenüberstand, war ich hingerissen von der leuchtend orangefarbenen, glatten Rinde der Stämme und Äste, deren Schönheit mir weit wichtiger war als die Essbarkeit der Früchte. Und so soll im Mittelpunkt dieses kleinen Steckbriefs auch der Östliche Erdbeerbaum stehen.

Es handelt sich um einen immergrünen Strauch oder kleinen Baum, 3-5 Meter hoch. Stamm und Äste mit sehr glatter (!), orange-roter Borke. Die Blätter sind wechselständig, eiförmig bis länglich, fast ganzrandig.

Im Frühjahr erscheinen glockenförmige, rosa-weiße Blüten, die gerne von Bienen und vielen anderen Insekten als Nahrungsquelle genutzt werden. Aus diesen Blüten entwickeln sich im Lauf des Jahres kugelige Früchte, deren warzige Oberfläche und anfangs gelbe, dann zunehmend kräftig rote Farbe tatsächlich an Erdbeeren denken lässt. Allerdings ist diese Assoziation bei den größeren und fleischigeren Früchten des Westlichen Erdbeerbaums stärker als bei jenen des Östlichen Erdbeerbaums, dessen Früchte kleiner und glatter sind.

Erdbeerbaumfalter

Für die Verbreitung der Bäume sorgen vor allem Vögel, die die Früchte als Nahrung schätzen. Die künstliche Vermehrung über Aussaat oder Stecklinge ist vor allem beim Östlichen Erdbeerbaum schwierig und langwierig. Größere Bestände von Erdbeerbäumen sind auch nicht allzu häufig zu finden und so sollte ihre ökologische Bedeutung nicht unterschätzt werden. Nicht nur für die Raupen des prächtigen Erdbeerbaumfalters (Charaxes jasius) sind Erdbeerbäume eine der besten Nahrungsgrundlagen. Der Falter selbst saugt übrigens gerne an Aas, Kot und verschiedenen Früchten.

Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius) an reifer Feige

Wenig genutztes Wildobst

Auch für uns ist dieses Gehölz nützlich und zwar in unterschiedlicher Weise: Die Früchte werden mancherorts zu Wein, Likör und Konfitüre verarbeitet. Sie enthalten im Mittel 250 mg Vitamin C pro 100 g Fruchtfleisch und sind reich an Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Der in Portugal aus den Beeren des Westlichen Erdbeerbaums destillierte Schnaps „Medronho“ gilt als Spezialität. Ebenso der italienische „Miele di Corbezzolo“, Honig aus den Blüten des ebenfalls Westlichen Erdbeerbaums.

Früchte des Westlichen Erdbeerbaums (Arbutus unedo)

Das harte Holz der verschiedenen Erdbeerbäume wird nur örtlich genutzt. Es stellt jedoch ein hervorragendes Brennmaterial mit einem hohen Heizwert dar. 

Mag auch die ökonomische Bedeutung dieser Pflanze vergleichsweise gering sein, so kennen und schätzen doch viele Menschen im Mittelmeerraum noch diese wunderbaren kleinen Bäume.

So gilt der Erdbeerbaum wegen seiner grünen Blätter, der weißen Blüten und roten Früchten als eines der nationalen Symbole Italiens. Und bereits der römische Dichter Ovid verweist in seiner Beschreibung des „Goldenen Zeitalters“ auf den Erdbeerbaum (ca. 8 n. Chr.): „... und von schneidender Pflugschar nimmer verletzt gab alles von selbst die gesegnete Erde, und mit Speisen zufrieden, die zwanglos waren gewachsen, lasen sie Arbutusfrucht, Erdbeeren an sonniger Halde oder am rauhen Gerank Brombeeren und rote Cornellen und von dem ästigen Baume des Iupiter fallende Eicheln.“ (Ovid, Metamorphosen I, 89-112)

Lang, lang ist’s her…

Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.