Kermes-Eiche (Quercus coccifera L.)
Die Kermes-Eiche (Quercus coccifera) – eine von weltweit rund 630 Arten der Gattung Eiche – ist zwar auf den ersten Blick nicht besonders auffällig, aber wer einmal abseits befestigter Wege und Straßen versucht hat, durch die mediterrane Busch- und Strauchvegetation zu streifen, dürfte das in lebhafter Erinnerung haben. In diesen wintergrünen Pflanzengesellschaften bildet die Kermes-Eiche je nach Standort zusammen mit anderen Eichen und Kiefern, Manna-Esche, Wilder Olive, Johannisbrotbaum, Wacholder, Erdbeerbaum, Ginster, Zistrose, Baumheide, Mastixstrauch, Terpentin-Pistazie und vielen anderen ein nahezu undurchdringliches Territorium.
Häufig Resultat von Landschaftsbränden
Auch wenn diese Pflanzengesellschaften häufig aus früheren, durch Landschaftsbrände und Abholzung vernichteten Wäldern entstanden sind, besitzen sie doch einen hohen ökologischen Wert – für eine große Vielfalt an Insekten, Reptilien, Vögeln und anderen Tieren sowie als Schutz vor Austrocknung und Bodenerosion. Die Eichen spielen dabei eine besonders wichtige Rolle, denn auf Quercus-Arten haben sich im Lauf der Evolution besonders viele Insekten spezialisiert. Zu diesen gehört eine Schildlaus-Art, die vorzugsweise vor allem die Kermes-Eiche als Lebensraum und Nahrungsquelle nutzt – die Kermesschildlaus.
Wallonen-Eiche (Quercus ithaburensis subsp. macrolepis (Kot.) Hedge & Yalt)
Stein-Eiche (Quercus ilex L.)
Spannend ist dabei auch unsere eigene Kulturgeschichte, denn schon früh haben Menschen herausgefunden, dass sich aus diesen Läusen ein intensiv roter Farbstoff gewinnen lässt, der als „Kardinalpurpur“ bekannt und berühmt wurde. Die Verwendung als Färbemittel für Wolle, Seide und andere Stoffe lässt sich bis ins alte Ägypten nachweisen und spielte in der griechischen und römischen Antike bis ins europäische Mittelalter eine bedeutende Rolle.
Die Kermes-Eiche kann übrigens eine Wuchshöhe von bis zu 12 Meter erreichen, aber das ist eher selten. Meist wächst diese Eiche strauchig oder als kleiner Baum, meist auf kalkhaltigen, steinigen Böden in offenem, sonnigem und trockenem Gelände und im Unterwuchs lichter Wälder. Es sind ihre lederigen, dornig stechenden Blätter in Verbindung mit der dichten Verzweigung, die dieses Gehölz so dicht und undurchdringlich machen.
Eichen in ihrer Vielfalt
Neben der Kermes-Eiche finden sich auf der Peloponnes noch sieben weitere Quercus-Arten, darunter die häufige und für den Mittelmeerraum bestimmende Stein-Eiche (Quercus ilex) und die nur stellenweise vorkommende Wallonen-Eiche (Quercus ithaburensis subsp. macrolepis). Während die Eicheln der Stein-Eiche eine große Ähnlichkeit mit den Früchten der in Mitteleuropa verbreiteten Eichen haben, sind die Früchte der Wallonen-Eiche auffallend anders. Das liegt an den auffälligen Fruchtbechern (Cupula), deren dicke, steife, angedrückte oder zurückgebogene Schuppen der Frucht ein sehr attraktives, rosenartiges Aussehen verleihen.
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.