Architektur für Kinder

Elemente der Gartengestaltung in Kitas: Hüttendorf

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Huettendorf 1Herbert Österreicher plant und gestaltet Freianlagen von Kitas, Horten und Grundschulen. In einer Serie berichtet er an Beispielen, worauf man bei der Gartengestaltung achten sollte und was Kinder im Außengelände brauchen, um sich wohl zu fühlen.

Es gibt wohl kaum ein Kita-Außengelände, in dem sich nicht mindestens ein oder zwei Spielhäuschen befinden. Das hat gute Gründe, auf die wir gleich zu sprechen kommen. Dennoch sind längst nicht alle dieser Häuschen für Kinder wirklich attraktiv. Worauf es bei Spielhäusern ankommt, und wie man eine bestimmte Ausgangssituation verbessern kann – davon handelt dieser Beitrag.

Kleine Räume mit großen Ansprüchen

Kleinere und größere Holzhütten oder halb überdachte Unterstände sind für Kinder jeden Alters reizvoll. Dabei steht meist die Bedeutung solcher Bauten als Rückzugs- und Versteckmöglichkeit im Vordergrund.  Zu Recht, denn darin liegt eine ihrer wichtigsten Funktionen. Als Spielhäuschen gewinnen sie umso mehr an Wert, je mehr Geborgenheit und Intimität sie ausstrahlen. Doch sollten Spielhäuser darüber hinaus noch einige weitere Eigenschaften aufweisen, die vielleicht weniger offenkundig sind. Dazu gehört etwa eine gute haptische Qualität des verwendeten Materials, kindgerechte Proportionen von Raum, Zugängen und Fensteröffnungen, etc. Dabei sind Öffnungen und deren Platzierung in mehrfacher Hinsicht wichtig, denn Häuschen, die allzu einsehbar sind, sind insbesondere für ältere Kinder wenig interessant. Auch macht es große Unterschiede, ob ein solches Spielhaus einen eigenen Boden hat, ob es ein- oder zweigeschossig ist und
ob es vielleicht sogar mit zusätzlichen Elementen wie einer Kletterrampe oder einer Anbaurutsche ausgestattet ist.


Huettendorf 2Wichtiger noch als alle Aspekte von Größe, Material und Aussehen ist jedoch der Standort eines Spielhäuschens. Dieser sollte nicht mitten im Gelände liegen, sondern eher im Randbereich, möglichst an oder in einer Gehölzgruppe. Die Platzierung entscheidet nämlich wesentlich darüber, wie die betreffende Konstruktion von Kindern in ihren Rollenspielen und anderen gemeinsamen Aktivitäten genutzt wird. Das Innere eines Spielhäuschens kann durch kleine, einfache Sitzgelegenheiten wie Rundholz-Hocker oder kurze, niedere Bänke aufgewertet werden. Noch besser ist es jedoch, wenn den Kindern genügend Baumaterial zur Verfügung steht, um sich selbst in ihrem Häuschen »einzurichten«.

Bei all dem sind auch bestimmte Sicherheitsanforderungen zu beachten. Abgesehen von Mindestabmessungen für Zugangs- und Fensteröffnungen sind Eingänge oder Wandabschlüsse stets so zu fertigen, dass offene Spitzen und scharfe Kanten vermieden werden. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass Kinder gerne auch auf das Dach ihres Häuschens klettern. Sind die nötigen Sicherheitsabstände nicht gegeben, darf die Konstruktion nicht als Klettergerät fungieren.
Eine große Rolle spielt auch der Boden eines Spielhäuschens.  Er sollte so beschaffen sein, dass Dauerfeuchte vermieden wird. Das kann durch Beläge aus Holzschnitzeln oder mittelfeinem Rundkornkies, Pflasterungen oder einen passenden Holzboden erreicht werden.

Häuschen mit Charakter

Das Außengelände der Kinderkrippe Fantasia sollte umgestaltet werden. Es ist zwar für eine innerstädtische Einrichtung und die Anzahl der dort betreuten Kinder vergleichsweise groß, aber sowohl die Gestaltung als auch die Nutzung des Geländes unterliegen  bestimmten Einschränkungen. So gilt ein großer und zentraler Teil der Fläche als Feuerwehr-Anfahrtszone. Die dort wegen der nötigen Befahrbarkeit verlegten Rasengitterplatten weisen lediglich einen schütteren Grasbewuchs auf. Hinzu kommt, dass der Krippengarten direkt an das mehrstöckige  Gebäude grenzt, in dessen Erdgeschoss die Kinderkrippe eingerichtet wurde. Diese unmittelbare Nähe der Hausbewohner bringt mit sich, dass man in diesem Bereich ständig beobachtet werden kann – oder sich zumindest so fühlt. Das mag Kinder weniger stören als viele Erwachsene, aber bei der Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes war klar, dass die für Kinder so wichtigen Versteckmöglichkeiten hier weitgehend fehlten.

Huettendorf 3Daher stand bei der Neugestaltung des Außengeländes der Kinderkrippe an vorderer Stelle der Wunsch, im Garten geeignete Rückzugsräume einzurichten. Abgesehen davon sollten auch unterschiedliche Aktivitäten der Kinder unterstützt werden. Da ein vorhandenes Spielhäuschen, das aufgrund seiner Stabilität erhalten bleiben sollte, eine Spielplatz-typische Konstruktion darstellte, entschieden wir, dass sich die beiden neu zu bauenden Spielhäuschen davon in Form und Aussehen deutlich unterscheiden sollten. Das eine davon, das »Turmhaus«, sollte aus einem kleinen würfelförmigen  Raum bestehen, auf dem eine kirchturmartige Pyramide sitzt. Es wurde als kleines Haus geplant, das innen ziemlich dunkel ist und sich in besonderer Weise als Versteck anbietet (vor allem, wenn man in den Turm hineinklettert, was bei einiger Kraft und Geschicklichkeit im unteren Teil möglich ist ...). Das andere Spielhaus sollte ein »Bühnenhaus« werden, das eine weitgehend offene Vorderseite besitzt und sich besonders gut für allerlei Rollenspiele, Darstellungen und Aufführungen eignet. Die Aufstellung der beiden neuen Häuschen war auch in dieser Kindertagesstätte ein Gemeinschaftsprojekt mit Eltern und dem pädagogischen Team: Ein Schreiner fertigte nach den jeweiligen Werkplänen die nötigen Rahmenkonstruktionen und bereitete die Bretter für Böden, Wände und Dächer vor, die dann an einem Tag gemeinsam auf dem dafür festgelegten Platz montiert wurden. Eine »runde Sache«, denn dadurch waren die Spielhäuschen noch am selben Tag einsatzbereit...

Aufgaben der Erwachsenen

  • Kontrollieren Sie die Verstecke morgens regelmäßig auf unerwünschte Hinterlassenschaften fremder Besucher, vor allem nach Wochenenden und Feiertagen.
  • Verzichten Sie tagsüber, wenn die Kinder sich dort aufhalten, bewusst auf übermäßige Kontrolle der Verstecke. Auch Kinder brauchen ihre Geheimnisse ...
  • Räumen Sie gemeinsam mit den Kindern auf, wenn sich im Hüttendorf zu viele Dinge angesammelt haben. Das schafft Platz für neue Ideen und Aktivitäten.
  • Wenn die Spielhäuschen mit Kletterpflanzen begrünt oder in eine Sträucherpflanzung integriert wurden, ist es wichtig, die betreffenden Pflanzen bei Bedarf auszulichten oder zurückzuschneiden: je nach Pflanzenart nach der Blütezeit, im Spätherbst oder Winter.

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Ein Dorf ist mehr als die Summe seiner Häuser

Die Anordnung der dann insgesamt drei Spielhäuschen – ein altes, zwei neue – in ein und derselben  Ecke des Krippengartens erfolgte zunächst aus Sachzwängen: Der zentrale Bereich des Geländes musste wegen der dortigen Feuerwehr-Anfahrtszone von festen Einbauten freigehalten werden. Aber rasch war auch klar, dass eine kleine Spielhaus-Gruppe für Kinder eine besondere Attraktivität besitzen würde. Umso mehr, als wir dieses »Kinderdorf« vom übrigen Gelände durch einen unregelmäßig gekrümmten und teilweise durchbrochenen Weiden-Flechtzaun abgrenzten. Dadurch entstand ein Ensemble, das von den Kindern sofort mit Begeisterung angenommen und in vielfältiger Weise interpretiert wurde: als Dorf eben, oder als »Garten im Garten«, aber auch als eine Art Miniatur-Befestigungsanlage, als Vorratslager für allerlei gesammelte Dinge und natürlich als Ort, der sich hervorragend eignete, um sich ungestört von den Erwachsenen in den unterschiedlichsten Rollenspielen austoben zu können. Und letztlich geht es genau darum: um das selbstbestimmte, ungestörte Spiel in den unterschiedlichsten Rollen, ein Spiel mit selbst ausgedachten Regeln, der Kontrolle der Erwachsenen zumindest ein Stück weit entzogen. Angesichts der Tatsache, dass Erwachsene heute mehr als jemals zuvor bemüht sind, Kinder zu beobachten und zu steuern, ist schon das Gefühl, unsichtbar zu sein, für Kinder nicht nur eine aufregende Erfahrung, sondern auch enorm wichtig für ihre innere Balance. Umso schöner, wenn man dieses Gefühl mit Gleichaltrigen teilen kann und an einem eigenen Ort gemeinsam Abenteuer erfinden und bestehen kann. Diese Erfahrung ist für ältere Kinder sogar noch wichtiger, weshalb dieser Aspekt im Kindergarten eine mindestens so große Rolle spielen sollte wie in Kinderkrippen.
Inzwischen steht das Hüttendorf seit fast zehn Jahren, und abgesehen von der in dieser Zeit notwendig gewordenen Erneuerung des Flechtzaunes, ist das kleine Ensemble nach wie vor unverändert ein Lieblingsplatz der Kinder.


Infos zur Einrichtung
Kinderkrippe Fantasia

Belegung:24 Kinder unter 3 Jahren
Leitung:Luise Valier, Carmen Hess (stellv.)
Anschrift: Vogelhartstraße 8a, 80807 München
Tel. 089.3597875
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Träger: Gemeinnützige Paritätische Kindertagesbetreuung  GmbH Süd
Außengelände: rund 560 Quadratmeter

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Architektur für Kinder. Elemente der Gartengestaltung in Kitas: Hüttendorf. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

oder

Österreicher, Herbert: Architektur für Kinder. Elemente der Gartengestaltung in Kitas: Hüttendorf. In: Betrifft Kinder, Heft 08-09/2016. Berlin und Weimar: verlag das netz

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