Schreiben und Zeichnen mit Steinen

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Wenn sich Kinder mit Steinen beschäftigen, merken sie meist rasch, dass sich manche Steine leicht mit einem anderen Stein „beschreiben“ lassen. Auch probieren sie gerne Steine selbst als Schreibund Zeichengerät aus, indem sie mit einer Kante oder Spitze andere Steine bearbeiten und dort Zeichen und Muster anbringen.

Im Grunde handelt es sich dabei um uralte Techniken, die vor der Erfindung des Papiers von Völkern weltweit zum Schreiben und Zeichnen genutzt wurden. Je nach Verfügbarkeit geeigneter Gesteine hatten sich auch ganz unterschiedliche Traditionen entwickelt. Es lohnt, einige dieser Techniken genauer anzuschauen, denn das dafür benötigte Material lässt sich nicht nur kostengünstig beschaffen (und in manchen Fällen sogar selbst an den betreffenden Fundorten sammeln), sondern es bietet Kindern auch eine Vielzahl interessanter Möglichkeiten zum kreativen Umgang mit Naturmaterialien.

Kreidewand mit FeuersteinenKreidewand mit Feuersteinen auf Rügen

Schreibkreide gehört zu den bekanntesten Möglichkeiten, ein sehr weiches Gestein als Schreibmaterial zu nutzen. Das geschieht bereits seit Jahrhunderten und da diese Kreide schon früh in Schulen Verwendung fand, spricht man auch häufig von Tafelkreide.

Kreide ist ein sehr reines, feines und weiches Kalkgestein (Calciumcarbonat), das vor etwa 100 bis 70 Millionen Jahren aus organischen Ablagerungen entstand. Vielfach ist Kreidekalk eher hart und bricht scharfkantig.

Schreibkreide hingegen hat eine erdig-mürbe Konsistenz. Im feuchten Zustand hat sie Ähnlichkeiten mit Tongestein und lässt sich wie dieses mit einem Messer schneiden.

Meist wird das Kreidegestein fein vermahlen und zu Pigmenten verarbeitet. Farbige Pigmente erhält man durch Zusätze verschiedener Farbstoffe. So werden auch farbige Tafelkreiden hergestellt.

 

Kreidefelsen auf RuegenKreidefelsen auf Rügen

Da natürliche Kreide verhältnismäßig teuer ist, wird Tafelkreide heute oft aus Gips (Calciumsulfat) oder Magnesiumoxid hergestellt. Wenn Sie wissen wollen, aus welchem Gestein eine bestimmte Tafelkreide ist, machen Sie am besten einen kleinen Säuretest: Echte Kreide reagiert beim Beträufeln mit Essig oder Zitronensäure mit Aufbrausen – Kohlendioxid entsteht – während Magnesiumoxid und Gips keine solche Reaktion zeigen.

Ein anderes Material, das sich zum Zeichnen und Malen anbietet, ist roter Ziegel, also gebrannte tonhaltige Lehmerde. Dabei sind die schwächer gebrannten Mauerziegel besser geeignet als Klinkerziegel. Immerhin kommt die Farbwirkung beim Malen und Zeichnen durch Abrieb zustande, und Klinkerziegel sind dabei etwas zu hart.

Lehmerde, die zur Ziegelproduktion verwendet wird, kann recht unterschiedlich gefärbt sein. Daher gibt es bei Ziegeln auch viele verschiedene Gelbund Rottöne. Zum Zeichnen und Malen ist das zusätzlich interessant und es ist sinnvoll, Kindern hier möglichst unterschiedliche Ziegel zur Verfügung zu stellen. Abgesehen davon, dass der größte Wert dieser Steine für Kinder in ihrer umfassenden Verwendbarkeit als Baumaterial liegt ...

Lehmerde enthält stets mehr oder weniger große Anteile an Ton. Das ist ein natürlich vorkommendes, besonders feinkörniges Material, dessen Einzelteilchen selbst mit der Lupe nicht erkennbar sind, denn ihr Durchmesser beträgt höchstens 0,002 Millimeter. Der unterschiedliche Wasseranteil macht den Ton entweder weich und plastisch oder hart wie Stein. Treten die Tonminerale in fester, kompakter Form auf, sprechen wir von Tonstein. Wie der erdfeuchte, weiche Ton bestehen auch Tonsteine aus Teilchen, die maximal 0,002 Millimeter groß sind. Sie sind aber stark verdichtet und ergeben ein vergleichsweise hartes Material. Mehr oder weniger deutliche Schichtungen und Spaltflächen sind ein Hinweis darauf, dass es sich um ein Ablagerungs- oder Sedimentgestein handelt, in dem wir auch zahlreiche Fossilien finden können.

Zeichnen auf TonschieferZeichnen auf Tonschiefer

Besonders dünnblättrig spaltbarer Tonstein wird als Tonschiefer bezeichnet. Je nach Beimengungen kann dieses Gestein hell- oder dunkelgrau sein, rötlich oder grünlich. Oft bewirken organische, bituminöse Bestandteile einen nahezu schwarzen Farbton. Sie gehen auf ausgeprägte Fäulnisprozesse während und nach der Ablagerung des Materials zurück. Dadurch gibt es zahlreiche Abstufungen in Farbe und Feinstruktur, was diesen Naturstein für verschiedene Zwecke zusätzlich attraktiv macht. So werden Tonschiefer in Oberfranken und Teilen Thüringens, an der Mosel und in der Eifel nach wie vor häufig als Dach- und Fassadensteine verwendet.

Vor der großindustriellen Papierherstellung waren Schiefertafeln und -griffel auch als Schreibwerkzeuge weltweit verbreitet.

Zeichnen auf Blauschiefer

Um Schreibtafeln herzustellen, benötigt man einen besonders reinen und feinkörnigen Tonschiefer, den so genannten Blauschiefer. Tafeln aus diesem Gestein lassen sich mit verschiedenen Materialien beschreiben und bemalen. Neben Tafelkreide eignet sich dafür auch ein anderes, etwas weicheres Schiefergestein, der Griffelschiefer, aus dem sich verschieden große Stifte machen ließen. Dabei musste das frisch gebrochene Gestein bis zur endgültigen Verarbeitung „bergfeucht“ gehalten werden, denn nur im feuchten Zustand lässt es sich gut in die gewünschten Stiftformen spalten und glätten.

Während diese Schreibutensilien früher bekannt und weit verbreitet waren, geraten sie mittlerweile zunehmend in Vergessenheit. Es gibt jedoch kaum eine bessere Möglichkeit, Kinder mit Schiefergesteinen und deren besonderen Eigenschaften bekannt zu machen, als Schreib- und Zeichenversuche auf und mit Schiefer.

Zeichnen auf einem SchieferkieselZeichnen auf einem Schieferkiesel

Mit einem Stift aus Griffelschiefer lässt sich sehr gut auf selbst gesammelten dunklen (!) Schieferstücken kontrastreich zeichnen, schreiben und malen. Es lohnt sich also, bei Ausflügen ins Gelände nach solchen Schiefern zu suchen. Man kann sie in vielen Teilen Deutschlands finden, zum Beispiel im Gesteinsschutt am Straßenrand, als Bruch- und Reststücke nach Gartengestaltungsarbeiten oder in Kiesbänken kleiner Bäche und Flüsse. Nur die Schiefergriffel muss man kaufen.(1)

(1) Ein „Dachbodenfund“ bescherte dem Bergbaumuseum Lehesten einen größeren Posten solcher Griffel, die nun stückweise verkauft werden. Wenden Sie sich bei Interesse an: Technisches Denkmal „Historischer Schieferbergbau“, Tel. 036653-26270 oder This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Auf der Suche nach Gesteinen, die sich besonders gut zum Zeichnen und Malen eignen, stößt man natürlich auch auf Kohle. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Gestein aus organischer Substanz, aber die Gesteinsbildung verläuft hier ganz anders als bei der Bildung von Kreidegesteinen.

Zeichnen mit Kohlebrikett

Der erste Schritt besteht in diesem Fall in der Ablagerung von Tier- und Pflanzenresten. Diese Ablagerungen werden im Lauf von Millionen Jahren immer dichter und kompakter, wobei der Wassergehalt abnimmt. Gleichzeitig verschwinden die organischen Strukturen und der Kohlenstoffgehalt steigt an – bis wir es mit einem festen Gestein zu tun haben.

Bei diesem als Inkohlung bezeichneten Prozess entsteht zunächst Torf, dann Weichbraunkohle (die häufig noch gut erkennbare Pflanzenreste aufweist), anschließend Mattbraunkohle und Glanzbraunkohle, zuletzt Steinkohle. Die beiden letzten Arten haben ein ähnlich festes Gefüge, lassen sich aber dennoch meist gut unterscheiden: Zieht man jeweils mit einem Stück dieser Kohlearten einen Strich über einen weißen Karton, so ist dieser Strich bei der Braunkohle braun, bei der Steinkohle schwarz.

Auch hier ist also sinnvoll, zum Zeichnen und Malen verschiedene Arten von Kohle zu haben.

Zeichnen mit dem Bleistift

Der „Klassiker“ unter unseren Schreibwerkzeugen ist wohl der Bleistift. Auch hier haben wir es letztlich mit einem Gestein zu tun, und zwar Grafiterz, aus dem in mehreren Stufen Reingrafit gewonnen wird, der schließlich auch zur Produktion von Bleistiften verwendet werden kann. Die Bezeichnung Bleistift beruht übrigens auf einer Verwechslung: Der Grafit, der zur Herstellung der Schreibmine verwendet wird, wurde früher für Bleierz (Galenit) gehalten, und diese Verwechslung hat sich in der Namensgebung bis heute gehalten.

Zeichnen mit GrafiterzZeichnen mit Grafiterz

Grafit ist wie Diamant aus reinem Kohlenstoff aufgebaut, aber im Gegensatz zum extrem harten Diamant ist Grafit ein weiches, äußerst leicht spaltbares Mineral. Es ist unscheinbar dunkelgrau, glänzt matt metallisch und fühlt sich weich, talgoder wachsartig an. Er lässt sich leicht in dünne Blättchen aufspalten und färbt auf weichen Unterlagen (Papier, Handfläche) stark ab.

Dass wir mit einem Bleistift schreiben und zeichnen können, verdanken wir der feinen, schichtartigen  Struktur des Grafits. Die darin enthaltenen Kohlenstofflagen verschieben sich leicht gegeneinander und werden beim Schreiben abgerieben.

Zeichnen mit dem Grafitstab

Zeichnen mit dem Grafitstab

Besonders kohlenstoffreiches GrafiterzBesonders kohlenstoffreiches Grafiterz

Bleistifte gibt es in allen möglichen Stärken und Qualitäten. Für Kinder interessant ist ein massiger Grafitstab, einem Faustkeil ähnlich, der von einer Bleistiftfabrik in Portugal für künstlerische Zwecke entwickelt wurde und heute im Fachhandel für Künstlerbedarf vertrieben wird.

Mit einem solchen Stift lassen sich besonders gut Frottagen aller Art herstellen, aber auch großflächige Zeichnungen und Beschriftungen auf Holz oder Stein.Naturgrafit ist keineswegs selten. Doch wenn sein Anteil  in einem bestimmten Gestein eher gering ist, wird er rasch übersehen. Außerdem lohnen sich Abbau und Gewinnung reinen Grafits nicht bei jedem grafithaltigen Gestein.

In Deutschland gibt es nur ein einziges lohnendes Grafitvorkommen, in Kropfmühl bei Hauzenberg im Bayerischen Wald. Das Gestein, das dort seit rund 100 Jahren abgebaut wird, enthält etwa 30 Prozent reinen Grafit.

Grafit Tabelle

 

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Schreiben und Zeichnen mit Steinen. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

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