Ziegenmilch

Einmal am Tag bekamen wir Kinder eine Tasse Milch von unserer Ziege. Die Milch bekam uns ausgezeichnet und schmeckte sehr gut, was ich 30 Jahre später bei dem Versuch, sie noch einmal zu trinken, wirklich nicht mehr nachvollziehen konnte. Im Sommer wurde aus der frischen Milch vom Bauern„gestandene Milch“ angesetzt, mancherorts auch als Dickmilch oder Gewitterrmilch bezeichnet. Eine gefüllte Schüssel Milch wurde zu diesem Zwecke auf den Küchenschrank gestellt.

Nach ein bis zwei Tagen war sie gallertig fest, oben hatte sich eine gelbliche Haut gebildet. Das Ganze wurde mit Zucker garniert und mit einem Löffel abgestochen. Es war ein Hochgenuss!

Horbaschk, Gottfried (2014). Holzäpfel im Pfarrgarten. Kindheit und Jugend im Erzgebirge. 
Borsdorf: edition winterwork (S. 31 f.)
UA-24100054-1