Spiele im Luftschutzbunker

Der meist nächtliche Fliegeralarm mit dem eiligen Gang in den Luftschutzkeller hat nicht nur Erinnerungs-, sondern hatte für uns damals einen ausgesprochenen Unterhaltungswert. Dazu müssen die besonderen Umstände doch etwas näher beschrieben werden. Das Pfarrhaus besaß ein ausgesprochen großzügig angelegtes Kellersystem mit mehreren hohen Gängen, die in Gewölbe mündeten.

Die Keller waren wie Tunnel in die Erde gegraben und dann von innen mit Feldsteinen ausgekleidet worden, weshalb sie als besonders sicher galten. Aus diesem Grund und auch wegen ihrer Räumlichkeit schlupften bei Alarm diverse Nachbarfamilien – natürlich mit ihren Kindern – bei uns unter. Bis zu zehn Kinder kamen da zusammen, alle brachten Spielzeug mit, die Sause konnte beginnen. Vor allem hatte die anderen Kinder jede Menge Kriegsspielzeug, das bei uns verboten war. Sie kramten Gewehre hervor, kleine Kanonen, Flugzeuge, Panzer und Fahrzeuge, die man aufziehen konnte. Es gab natürlich auch andere Spiele, und irgendwann musste dann auf den vorhandenen Matratzenlagern auch geschlafen werden. Wie man wieder in die Wohnung gekommen war, wussten oft nur noch die Größeren.

Horbaschk, Gottfried (2014). Holzäpfel im Pfarrgarten. Kindheit und Jugend im Erzgebirge. 
Borsdorf: edition winterwork (S. 18 f.)
UA-24100054-1