Umweltlernen von Kindern

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Angesichts gravierender aktueller Umweltprobleme und zahlreicher düsterer Zukunftsprognosen ist die Frage nach einem anderen umweltfreundlicheren Lebensstil drängender als jemals zuvor. Wurde die Natur, insbesondere  die nicht vom Menschen gestaltete Natur, vor nicht allzu langer Zeit noch allgemein als bedrohlich angesehen und höchstens dort von Nutzen, wo man bestimmte Rohstoffe  gewinnen konnte, so hat sich diese Haltung wenigstens  hierzulande stark verändert. Wir sind im Begriff zu erkennen, dass uns vor allem Effekte und Rückkopplungsprozesse einer von Menschen  übernutzten und geschädigten  Natur bedrohen. Vor diesem Hintergrund  bedeutet Natur- und Umweltschutz in allererster Linie Schutz der Umwelt um unserer selbst willen. Dabei ist regionaler Umweltschutz ebenso wichtig wie globale Bemühungen wie etwa im Zusammenhang mit dem Klimaschutz.

Dabei wird dabei deutlich, dass unser Verhältnis zur Umwelt  von zahlreichen Faktoren bestimmt und beeinflusst  wird. Persönliche Wertmaßstäbe  und Empfindungen  sowie die Bedeutung, die Natur und Umwelt  insgesamt für einen Menschen  besitzt, üben einen besonders großen Einfluss aus. Es geht im Eigentlichen um ein Beziehungsverhältnis:

„Nur was ich schätze, bin ich bereit zu schützen. Dabei ist es natürlich keine Frage, dass zum Schätzen auch das Kennen gehört. Aber ebenso ist es keine Frage, dass man nur etwas schätzen wird, wozu man auch eine Beziehung hat.“ (Gebhard, 2009, S. 67)

Kinder – unsere Hoffnungsträger?

Der Blick auf eine bedrohte und gleichzeitig zunehmend uns Menschen  bedrohende Umwelt  spiegelt sich auch in der aktuellen Umweltpädagogik. Neben naturkundlichen Themen im engeren Sinn wie das Kennenlernen heimischer Tiere, Pflanzen und deren Lebenswelten spielen heute längst Fragen ökologischer Wirkungen und Wechselwirkungen eine entscheidende Rolle: Konsum und Ernährung, der Umgang mit begrenzten Ressourcen, Abfall und Müll, oder unser Verkehrs- und Freizeitverhalten etc. müssen wir heute nicht zuletzt vor dem Hintergrund  einer globalen Umweltkrise diskutieren und bewerten: als Verursacher, Betroffene und – hoffentlich auch – Bewältiger der Umweltkrise.

Dabei setzen wir – ob wir es aussprechen oder nicht – vor allem in unsere Kinder große Hoffnungen.  Solange wir dabei unsere eigenen Verpflichtungen und Handlungsoptionen nicht vernachlässigen, ist dagegen auch nichts zu sagen. Wichtig erscheint allerdings zweierlei:

  • Die Tatsache, dass bereits in der frühen Kindheit wesentliche  Weichen gestellt werden, welche Beziehungen ein Mensch zu seiner Umwelt  entwickelt, sollte uns veranlassen, Kindern möglichst  viele positive, unmittelbare  Naturerfahrungen  zu ermöglichen.
  • Gleichzeitig sollten wir aber darauf achten, Kinder auch in diesem Bereich nicht zu überfordern,  und auch in die Effekte der Umweltpädagogik insgesamt keine zu hohe Erwartungen legen. Umweltfreundliches Verhalten hängt von vielen Faktoren ab.


Umweltlernen von Kindern braucht emotional befriedigende Erlebnisse. „Katastrophenpädagogik“ ist nicht nur weitgehend erfolglos, sondern kann sogar schaden, weil sie vor allem auf Angst und Einschüchterung setzt. Umweltpsychologische Erkenntnisse machen deutlich, dass positive Umwelterfahrungen am stärksten zur Entwicklung umweltfreundlichen Verhaltens beitragen.

Einige besonders wichtige  Aspekte einer gleichermaßen  engagierten wie reflektierten Umweltpädagogik hat Hartmut von Hentig in seinem Essay „Bildung“ so formuliert: „Wenn wir unsere Kinder in die Natur mitnehmen,  ihnen zumuten, draußen zu schlafen, und zutrauen, sich wie ein Teil der Natur zu verhalten; wenn wir mit ihnen Murmeltiere beobachten (wozu man sehr geduldig und still sein muss) oder eine Igelfamilie (was erfordert, dass man abends lange aufbleibt und die Augen gut anstrengt und dies oft auch noch vergeblich); wenn wir mit ihnen den Himmel bei Tag und bei Nacht studieren; wenn wir sie Insekten sammeln und wieder aussetzen, Bäume beklettern, ein Wasser stauen lassen; (...) – dann wird nicht nur ihre „naturwissenschaftliche Neugier“ daran wachsen, sondern auch ihre Rücksicht auf die übrige Natur.“ (Hartmut von Hentig, 2009, S. 120)

Natur- und Umweltpädagogik verzeichnet sicherlich dort die meisten Erfolge, wo ein bestimmtes Thema für alle Beteiligten  interessant ist, Neugier, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Begeisterung  weckt. Es geht dabei nicht nur um die Kinder, sondern ebenso sehr auch um uns Erwachsene. Wenn wir Umweltbildung als Strategie begreifen, auf nachhaltige Weise etwas zum Schutz unserer Umwelt  und damit unserer Lebensgrundlagen  tun zu können, geht es nicht ohne unser persönliches Engagement. Das Vorbild, das wir Kindern geben, ist vielleicht auch hier der wichtigste Impuls, den wir geben können.

Komplexe Erkenntnisse der Umweltpsychologie

Wenn wir uns fragen, wodurch Umweltbewusstsein und umweltfreundliche Verhaltensweisen bestimmt werden, stoßen wir rasch auf zahlreiche Beobachtungen, die nicht selten sehr widersprüchlich wirken:

  • Immer mehr Menschen  ist heute bewusst,  dass Umweltschutz und Gesundheit eng miteinander  verknüpft sind. Vor allem, weil damit starke Emotionen verbunden sind, steigt die Bereitschaft,  sich mindestens  im unmittelbaren eigenen Umfeld für den Erhalt von Umwelt  und Natur einzusetzen. Dennoch besteht zwischen Umweltbewusstsein (im Sinn von „Umwelt-Problem-Bewusstsein“) und konkretem Umwelthandeln nach wie vor eine deutliche Kluft. Längst nicht jeder, der für sich Umweltbewusstsein in Anspruch nimmt, handelt auch danach.
  • Umweltbezogenes Verhalten ist sowohl in verschiedenen Gruppen als auch auf individueller Ebene sehr unterschiedlich ausgeprägt: Niemand handelt überall gleichermaßen  umweltfreundlich.
  • Am schwierigsten fassbar sind Umweltprobleme dort, wo sie zeitlich nicht fassbar sind, weil sich mögliche Schäden erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen und damit nahezu unvorstellbar sind. Gleiches trifft  auch auf Schädigungen der persönlichen Gesundheit zu, die aufgrund eines bestimmten Lebensstils (Ernährungsgewohnheiten, Drogenkonsum  etc.) zwar zu erwarten sind, aber als aktuell nicht gegeben in den Hintergrund  gedrängt werden.
  • Persönliche Betroffenheit und emotionale Nähe zu einem bestimmten Sachverhalt bewirken in der Regel das stärkste Engagement für Umwelt  und Natur (nachhaltige Verhaltensänderungen).
  • Kinder und Jugendliche, die frühzeitig mit Umweltthemen in Berührung kommen, entwickeln  ein nachhaltiges Interesse an diesen Themen. Entscheidend ist dabei allerdings, dass konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und eingeübt werden können (handlungsorientierte und längerfristige  Umweltprojekte).

Bereits diese knappe Auflistung  zeigt eine große Bandbreite an Themen und Fragen, mit denen sich insbesondere die Umweltpsychologie auseinandersetzt. Nicht zuletzt ist dabei zu berücksichtigen, dass bereits der Begriff Umweltbewusstsein sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Der Bedeutungsumfang kann sehr eng gefasst lediglich auf ein bestimmtes Umweltwissen oder ein unmittelbares Umwelterleben bezogen sein. Er kann aber auch umweltbezogene Wertvorstellungen und bestimmte Verhaltensabsichten einbeziehen. In einem weit gefassten Sinn finden wir Umweltbewusstsein aber auch als Bezeichnung für ganz konkretes umweltfreundliches Verhalten .

Eine der wichtigsten Fragestellungen ist dabei die nach der Überwindung  der Kluft, die ganz offensichtlich zwischen Umweltbewusstsein im engeren Sinn und konkretem Umwelthandeln besteht. Umweltwissen, entsprechende  Wertvorstellungen und sogar erklärte Verhaltensabsichten  bedeuten nämlich noch lange nicht, dass sich der betreffende Mensch auch wirklich umweltfreundlich verhält. Um diese Diskrepanzen und Unstimmigkeiten aufzuklären, wurden verschiedene Modelle entwickelt, von denen das „Modell für umweltbewusstes Verhalten“ (Fietkau und Kessel, 1981, erweitert von Nützel, 2007) vielleicht am besten geeignet ist, die Möglichkeiten und Grenzen der Umweltpädagogik zu veranschaulichen. Der Hauptakzent liegt hier auf dem Aufzeigen konkreter Veränderungsmöglichkeiten, die der Einzelne hat – und der Einschränkungen, denen er gegenübersteht.

Im Modell (vgl. Abbildung) kennzeichnen Pfeile mit arabischen Ziffern die hauptsächlichen, durch entsprechende  Erhebungen nachgewiesenen  Wirkmechanismen zwischen den einzelnen Bereichen:

(1) Verhaltensangebote wie z. B. einfache Verfügbarkeit eines bestimmten umweltfreundlichen Produkts bestimmen das konkrete (Nutzungs-)Verhalten. (1)

(2) Handlungsanreize wie etwa Belohnungen begünstigen ebenfalls ein bestimmtes Verhalten.

(3) Eine umweltgerechte Einstellung und entsprechende Werthaltungen beeinflussen das umweltrelevante Verhalten häufig besonders stark.

(4)(5) Durch die Wahrnehmung der Konsequenzen umweltbewussten Verhaltens kommt es zu einer Rückkopplung, wodurch sich Einstellungen und Werthaltungen verändern können.

(6)(7) Umweltbezogene Einstellungen sind auch vom jeweiligen Umweltwissen geprägt. Umgekehrt wirken sich Einstellungen auch auf das umweltrelevante Wissen aus, indem das Interesse wächst, sich mit bestimmten Inhalten zu befassen.

Soweit das ursprüngliche  Modell. Rudolf Nützel hat dieses Modell insbesondere für umweltpädagogische Zielsetzungen erweitert, indem er die Möglichkeiten und Wirkungen von unmittelbarer Naturerfahrung als weiteren Baustein hinzugefügt hat. Eine solche Naturerfahrung beeinflusst das umweltrelevante Verhalten nicht nur direkt, sondern auch über veränderte Einstellungen und Werthaltungen sowie entsprechendes Umweltwissen. (8)(9)(10)

Modell von Fietkau

Abb.: Erweitertes  Modell von Fietkau und Kessel (Nützel, 2007, S. 70)

Die römischen Ziffern im Modell bezeichnen wichtige  Ansatzpunkte zur Veränderung des
Umweltbewusstseins im Sinn einer Verstärkung umweltfreundlicher Verhaltensweisen:

  1. Die Vermittlung umweltrelevanten Wissens ist zwar keinesfalls zu vernachlässigen, hat auf das konkrete Verhalten aber nur indirekte Effekte.
  2. Von weit größerer Bedeutung ist nachweislich die Vermittlung umweltrelevanter Einstellungen und Werte.
  3. Oft unterschätzt wird die Schaffung entsprechender Verhaltensangebote als neue oder verbesserte Möglichkeiten zu umweltfreundlichem Verhalten.
  4. Geeignete Handlungsanreize motivieren zu umweltfreundlichen Verhaltensweisen.
  5. Parallel dazu stellt das Sichtbar machen der Konsequenzen einer bestimmten Handlung eine Rückkopplung dar, die das Verhalten ebenfalls deutlich beeinflussen kann.
  6. Durch die Schaffung von Möglichkeiten unmittelbarer Naturerfahrungen ergibt sich ein weiterer Ansatzpunkt, der im Zusammenhang mit der (früh-)kindlichen Umweltpädagogik eine besonders wichtige  Rolle spielt.

In diesem Modell sind auch wichtige emotionale Aspekte enthalten. So haben Untersuchungen ergeben, dass unmittelbare Naturerfahrungen stark motivieren, wobei allerdings nicht übersehen werden darf, dass keinesfalls jede Art der Naturerfahrung gleichermaßen effektiv ist. „Pädagogisch bedeutsam wird Naturerfahrung  erst, wenn es gelingt eine positive affektive Beziehung zur Natur zu vermitteln,  Liebe zur natürlichen Umwelt zu wecken.“ (Nützel, 2007, S. 68).

Umwelterziehung als lohnende Herausforderung

So, wie sich im allgemeinen Umweltbewusstsein zwischen Denken und Handeln eine manchmal große Kluft zeigt, gibt es auch in der Umweltpädagogik mitunter große Unterschiede zwischen anspruchsvollen Zielsetzungen, Vorgaben und Absichtserklärungen auf der einen Seite und der Umsetzung dieser Ansprüche im pädagogischen Alltag auf der anderen Seite.

So heißt es etwa im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (Fthenakis, 2007), dass „Umweltbildung und -erziehung [...] traditionell  ihren Ausgang von der Naturbegegnung, von Erlebnissen mit Tieren und Pflanzen (nimmt)“, gleichzeitig heute aber auch insbesondere Fragen des Mensch-Natur-Verhältnisses berücksichtigt werden müssten: „Was verstehe ich unter Umwelt? Welchen Wert messe ich ihr zu? Welche Rolle nehme ich ihr gegenüber ein? Mit der Beantwortung dieser Fragen ist Umweltbildung heute mit der Entwicklung  von Werthaltungen verbunden.“ (Fthenakis, 2007, S. 292) Mit der Darstellung entsprechender„pädagogischer Leitlinien“ wie etwa dem „Prinzip der Entwicklungsangemessenheit“, dem „exemplarischen Lernen“ und der „Mitwirkung der Kinder“ werden pädagogischen  Fachkräften auch zahlreiche Beispiele und Handlungsanleitungen genannt. Darunter fallen sowohl „Alltagshandlungen, in denen umweltfreundliche Haltungen zum Tragen kommen“ als auch Empfehlungen für längerfristige Projekte wie „Umgestaltung des Gartens“ (vgl. Fthenakis, 2007, S. 295ff.).

In anderen Veröffentlichungen wie etwa in der pädagogische Rahmenkonzeption  für Kinderkrippen der Landeshauptstadt  München werden diese Aspekte nicht nur aufgegriffen,  sondern teilweise  noch stärker auf die Rolle der pädagogischen Fachkräfte fokussiert, wenn es zum Beispiel heißt: „Im Bewusstsein ihrer Vorbildfunktion im pädagogischen Alltag überprüfen sie regelmäßig ihre Handlungs- und Verhaltensweisen, denn nicht nur sie beobachten die Kinder, die Kinder beobachten auch sie.“ (Landeshauptstadt  München, 2008, S. 51) Auch wird hier explizit erklärt, in welcher Weise Umweltbildung im weitesten Sinn zu erfolgen habe: „Die Kinderkrippen setzen ihren Bildungsauftrag um, indem die pädagogischen Fachkräfte in einem ko- konstruktiven Prozess den kindlichen „Forscherdrang“ sowie die kindliche Neugier, die Welt zu entdecken und zu verstehen, anregen, sensibel begleiten und unterstützen. Sie unterstützen das Kind, sich ein Bild von der Welt zu machen, die eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erlebnisse in einem sozialen Kontext zu bewerten. (Landeshauptstadt München, 2008, S. 36)

Das breite Tätigkeitsspektrum sowie die unterschiedlichen konzeptionellen  Ausrichtungen der Kindertageseinrichtungen bringen es mit sich, dass die Umsetzung umweltpädagogischer Inhalte in der praktischen Arbeit mit Kindern sehr unterschiedlich ausfällt, und dies sowohl hinsichtlich  des zeitlichen Umfangs, der solchen Themen gewidmet wird, als auch der Qualität dieser Arbeit, die man insbesondere an Aspekten wie Themenvielfalt, Schaffung von und Bezug auf spezielle Anreize für Kinder und Auswahl besonders geeigneter Methoden  festmachen  könnte. Während in vielen Einrichtungen Umweltthemen noch in eher traditioneller  Weise wie gemeinsames  Singen von Liedern über Regen, Sonne und Vögel, Sammeln bunter Blätter im Herbst und Grasaussaat in Töpfen zu Ostern erfolgt, führen andere Einrichtungen Kinder an ein sehr viel umfangreicheres Repertoire an Umwelterfahrungen heran: regelmäßige Ausflüge in nahe gelegene Waldgebiete und Erkundungen von Pflanzen und Tieren in Feuchtbiotopen, Hinzuziehung externer Experten wie Förster, Biologen und Geologen bei speziellen Umweltprojekten, gezielte Entwicklung  und Nutzung des Außengeländes der Einrichtung als Raum, in dem die Kinder ganzjährig und bei jeder Witterung Naturerfahrungen machen können.

Die Vielfalt der vorgestellten Themen kann allzu anspruchsvoll oder gar überfordernd wirken, aber es geht keinesfalls darum, sich mit allen diesen Themen zu beschäftigen. Und es ist in der Praxis meist nicht einmal möglich, einzelne Themenbereiche intensiver auszuloten. Viel wichtiger  ist aber ohnehin, dass eine Erzieherin oder ein Erzieher sich für etwas entscheidet, was sie/ihn selbst interessiert, vielleicht sogar fasziniert. Die ei gene Begeisterung hilft mehr als alles andere, die betreffenden Kinder an eine bestimmte Thematik heranzuführen. Dabei spielt auch die Situation innerhalb des pädagogischen Teams eine große Rolle. Wie in anderen Bereichen auch lassen sich umweltpädagogische Zielsetzungen und Vorhaben sehr viel besser realisieren, wenn das jeweilige Team mehr oder weniger geschlossen und engagiert dahinter steht.

Fazit

Für eine sinnvolle und erfolgreiche  Umweltpädagogik ist wohl beides von Bedeutung:
Sensibilität gegenüber der Notwendigkeit, unsere Umwelt stärker als bisher zu schützen und Wissen um die Schwierigkeiten, aus Umweltbewusstsein konkretes Umwelthandeln werden zu lassen.

Das individuelle Umweltbewusstsein der pädagogischen Fachkräfte spielt hier eine ganz entscheidende Rolle, denn die Erwachsenen bestimmen darüber, ob und in welcher Weise umweltpädagogische Inhalte und Methoden in einer bestimmten Kindertageseinrichtung umgesetzt werden. Dabei ist keinesfalls nur an ein bestimmtes Umweltwissen der betreffenden Personen zu denken, sondern mindestens so sehr an ihre Einstellung gegenüber Umweltfragen, ihre „innere Nähe“ zu Pflanzen und Tieren, Natur- und Umweltschutz. Wer darin aber nur zusätzliche Anforderungen und Belastungen sieht, irrt: Es zeigt sich immer wieder, dass vor allem diejenigen Erzieher/innen, die mit Kindern häufig Umweltthemen aufgreifen, darin auch für sich selbst interessante Veränderungs- und Entwicklungspotenziale entdecken und eine größere Arbeitszufriedenheit finden. Anspruchsvolle Aufgabenstellungen haben eben auch das Potenzial, uns anzuregen und psychisch zu stärken.

Die pädagogischen Effekte, die erzielt werden können, hängen vor allem mit der Vorbildfunktion von uns Erwachsenen zusammen. Das bedeutet neben der (indirekten) Vermittlung von Werthaltungen  wie Achtung vor dem Leben und Aufgeschlossenheit für ökologische  Fragestellungen auch ganz praktische Dinge:

Welchen Lebensstil leben wir Kindern vor? Achten wir auf unsere eigene Gesundheit? Was tun wir, um möglichst wenig Abfall und Müll zu produzieren? Wie gehen wir mit dem anfallenden Müll um? Woran können Kinder sehen, ob und wie elektrische Energie gespart werden kann? Achten wir beim Einkauf von Spielmaterialien, Werkzeugen und Hilfsmitteln auf Qualität, Lebensdauer und ggf. Reparaturfähigkeit der Dinge – und sprechen wir mit den Kinder gelegentlich auch über unsere diesbezüglichen Überlegungen ?

„Erzieherinnen, die sich für die Verwendung ökologisch  einwandfreier  Substanzen in der Tagesstätte einsetzen und Kinder kindgerecht  daran teilhaben lassen, vermitteln  ihnen das Bild von verantwortungsvollen, engagierten Erwachsenen. Es sind Erwachsene, die sich für ihr eigenes Arbeitsfeld  und gleichzeitig für die Belange von Kindern einsetzen. Erwachsene, die mehr tun, als für einen reibungslosen  Verlauf des Alltags zu sorgen. Erwachsene, die ihre Umwelt  kritisch wahrnehmen.  Erwachsene, die sich kundig machen und sich nicht scheuen, in zunächst unbekannte Gebiete vorzudringen. Erwachsene, die sich nicht rasch entmutigen lassen, sondern die versuchen, Widerstände zu überwinden.  Kurz, Erwachsene, die mit ihrem Handeln und Vorleben bestimmter Fähigkeiten durchaus die Gegenwart der Kinder im Auge behalten, aber gleichzeitig deren Zukunft bedenken. Damit erstreckt sich die Fürsorge für ein gesundes Lebensumfeld hinaus auf zukunftsorientierte Fähigkeiten.“ (Reidelhuber, 2000, S. 12).

Der Anspruch umweltpädagogischer Themen und Arbeitsweisen ist hoch, aber nicht unrealistisch. Niemand verhält sich immer und überall absolut umweltschonend, aber wer diesem Thema insgesamt aufmerksam und aufgeschlossen  gegenüber steht, kann Kindern bereits in vielen Fällen Vorbild sein und so in einem wesentlichen Bereich zum Erhalt der Umwelt  und unserer Lebensgrundlagen  beitragen.

Literatur

Fthenakis, Wassilios E. (Hrsg.): Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung, Berlin: Cornelsen Scriptor, 2007.

Gebhard, Ulrich: Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009.

Hentig, Hartmut von: Bildung. Ein Essay, Weinheim: Beltz, 2009.

Landeshauptstadt  München, Sozialreferat (Hrsg.): Die pädagogische Rahmenkonzeption für Kinderkrippen der Landeshauptstadt München. München: Eigenverlag, 2008.

Nützel, Rudolf: Förderung des Umweltbewusstseins von Kindern. Evaluation von Naturbegegnungen mit Kindergartenkindern einer Großstadt. München: oekom, 2007.

Reidelhuber, Almut: Umweltbildung. Ein Projektbuch für die sozialpädagogische Praxis von 3-10 Jahren, Freiburg i. Br.: Lambertus, 2000.

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Umweltlernen von Kindern. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

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