Leben in der Eiswasserpfütze

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Haben Sie schon mal mit Kindern Schnee zum Schmelzen gebracht und dann dieses Schmelzwasser durch einen weißen Papierfilter gegossen?  Wenn ja, dann wissen Sie, dass auch der zuvor rein weiße Schnee jede Menge feiner und feinster Verunreinigungen enthält. Manchmal ist das Papier nach dem Filtrieren vor lauter Schmutzteilchen dunkelgrau bis schwarz.

Wenn sich bei einsetzender Schneeschmelze im Frühjahr überall Pfützen bilden, und das nicht selten auf einer vereisten Schneedecke, so sammeln sich im Wasser dort ebenfalls alle möglichen Partikel. Schmelzender Schnee wirkt manchmal schmutziger als alles andere drum herum.

Springschwaenze in Pfuetze

Gelegentlich gibt es noch anderes an diesen Schmelzwasserpfützen. Etwas, das auf den ersten Blick an Asche denken lässt oder an eine dunkle Staub- oder Rußschicht.

Betrachtet man die Sache aber aus der Nähe, wird es ein wenig unheimlich: Da bewegen sich nicht nur einzelne der kleinen schwarzen Elemente, nein, die ganze Fläche scheint zu zucken, wobei kleine Teilchen in unregel- mäßigen Abständen hochspringen.

Schließlich ist es klar: Das können  nur kleinste Tiere sein, die offenbar wenig kälteempfindlich sind und vor allem in riesiger Zahl zusammen- leben. Außerdem sie sie ganz offensichtlich auf Wasser angewiesen, denn abseits feuchter Stellen sind sie höchstens noch vereinzelt zu sehen.

Springschwaenze 2Springschwänze (Collembolen)
unter Eisschicht

Bei diesen Tieren handelt es sich um Springschwänze (Collembolen), die wegen ihrer langen Stammesgeschichte  und der vergleichsweise primitiven Lebensweise auch als „Urinsekten“ bezeichnet werden. Fossilfunde weisen nach, dass sie bereits vor 400 Millionen Jahren existiert haben, also noch vor der großen Zeit der Farne, Bärlappgewächse, Schuppenbäume und Schachtel- halme. Damit gehören diese Tiere zu den ältesten landlebenden Tieren überhaupt.

Obwohl die einzelnen Tiere mit einer Körperlänge von etwa 1 Millimeter winzig klein sind, konnten Forscher bisher rund 8.000 verschiedene Arten beschreiben. Es dürfte mindestens fünfmal so viele Arten geben…

Besonders faszinierend sind Beobachtungen von Kolonien des Schwarzen Wasserspringers (Podura aquatica). Das ist eine hierzulande weit verbreitete Springschwanzart, die sich in Pfützen und kleinen Tümpeln vor allem im Frühjahr rasch vermehrt. Aus einer anfangs noch unscheinbar kleinen Gruppe entstehen innerhalb weniger Tage riesige Ansammlungen. Vor allem bei Störungen springen die Tiere hektisch hoch und auseinander, beruhigen sich aber auch rasch wieder. Für ihre Fortbewegung  nutzen sie übrigens weniger ihre Beine, sondern meist eine so genannte Sprunggabel, ein spezielles Organ, das im Ruhezustand auf der Bauchseite nach innen geklappt ist und bei entsprechenden Reizen wie eine Sprungfeder wirkt. Die Sprungweiten übertreffen die Körperlänge um ein Vielfaches.

SpringschwaenzeSpringschwänze (Collembolen)

Bei diesen Tieren handelt es sich um Springschwänze (Collembolen), die wegen ihrer langen Stammesgeschichte und der vergleichsweise primitiven Lebensweise auch als „Urinsekten“ bezeichnet  werden. Fossilfunde weisen nach, dass sie bereits vor 400 Millionen Jahren existiert haben, also noch vor der großen Zeit der Farne, Bärlappgewächse, Schuppenbäume und Schachtelhalme.

Damit gehören diese Tiere zu den ältesten landlebenden Tieren überhaupt.Obwohl die einzelnen Tiere mit einer Körperlänge von etwa 1 Millimeter winzig klein sind, konnten Forscher bisher rund 8000 verschiedene Arten beschreiben. Es dürfte mindestens fünfmal so viele Arten geben…

Für viele Kinder sind diese Tiere mindestens so interessant wie für manche Erwachsene. Sicherlich  spielt dabei eine große Rolle, dass es sich hier um Lebewesen handelt, die in mehrfacher Hinsicht eigenartig sind. Auch lässt sich ihr (massenhaftes) Auftreten nicht leicht vorhersagen: Während einzelne Spring- schwänze bei etwas Übung leicht zu ent- decken sind, ist das Auftreten großer Kolo- nien an ein Zusammenspiel von Jahreszeit und Bodenfeuchte sowie bestimmten Wetter- und Temperaturbedingungen gebunden. Umgekehrt kann auch eine sehr große An- sammlung an Tieren innerhalb weniger Stun- den wieder verschwunden  sein. Trocknen ihre Pfützen aus, kommt  es zu einem Massenster- ben, und dort, wo einige Tage zuvor noch Tausende Springschwänze  lebten, ist nur noch ein schwärzlicher Überzug auf dem Erdboden zu sehen.

Springschwaenze Reste

Um die Tiere genauer betrachten und kennenlernen zu können, sollte man eine gute Lupe zur Verfügung haben. Damit haben auch jene Kinder gearbeitet, die im Rahmen eines kleinen Projekts diese und andere Kleintiere gezeichnet haben. Das Zeichnen der selten ruhig sitzenden Springschwänze war allerdings eine besondere Herausforderung.

Wer sich näher für diese bemerkenswerte Tiergruppe interessiert, findet im Internet sowie verschiedenen Fachbüchern entsprechende Informationen. Die besonderen Eigenschaften und Überlebensstrategien der Springschwänze haben jedenfalls bereits vor Jahren Forscher unterschiedlichster Disziplinen auf diese Orga- nismen aufmerksam werden lassen. Aber auch wer sich hier nicht spezialisieren möchte – viel- leicht nehmen Sie beim nächsten Spaziergang mit Ihren Kindern mal den Boden unter die Lupe…

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Leben in der Eiswasserpfütze. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

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