Elemente der Gartengestaltung in Kitas

Grüne Verstecke

 download demo smallArtikeldownload
PDF-Datei

Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten sind wichtig für Kinder

Gruene Verstecke 01Solche Orte lassen sich im Kita-Garten durch Spielhäuschen und ähnlichen Konstruktionen  kreieren. Darüber hinaus kann man sie auch durch eine entsprechende Dichtpflanzung von Gehölzen erreichen. Das ist in nahezu jedem Außengelände einer Kindertagesstätte möglich, überdies hat eine solche Pflanzung auch etliche weitere Vorteile. So bieten viele der betreffenden Pflanzen Kindern nicht nur interessante Naturmaterialien (Zweige, Blätter, Früchte), sondern ihr je nach Jahreszeit unterschiedliches Erscheinungsbild trägt auch entscheidend dazu bei, ein Gartengelände lebendig und abwechslungsreich zu machen.

Alles Wichtige geschieht im Verborgenen

Rätsel und Geheimnisse sind für Kinder besonders faszinierend. Alles Unbekannte oder schwer Begreifliche weckt rasch ihre Neugier. Nicht selten werden sie auf Dinge aufmerksam, an denen Erwachsene nichts Interessantes erkennen können. Für Kinder sind solche Entdeckungen jedoch ungeheuer wichtig. Auf diese Weise wächst nämlich jenes individuelle Wissen um Phänomene und Zusammenhänge, das jedem Kind seinen ganz eigenen Zugang zur Welt ermöglicht.
Dieser Prozess der Weltaneignung braucht nicht nur Zeit, er wird auch wesentlich durch die Qualität von Räumen beeinflusst. Gemeint sind damit Räume, die Kinder als ihre ganz eigenen Orte erleben: Dort bietet sich ihnen die Möglichkeit, sich abzusondern (von den Erwachsenen, gelegentlich auch von anderen Kindern), für sich zu sein und sich ungestört ihren Träumen, Vorstellungen und Ideen zu widmen. Dabei genügt oft schon, sich ungesehen zu fühlen, allein in einem anderen Raum, hoch über den anderen Kindern in der Astgabel eines Kletterbaumes oder inmitten einer Gruppe dichtwachsender Sträucher.

Grüne Verstecke

Die Kindertagesstätte St. Leonhard in Neureichenau im Bayerischen Wald bietet Kindern sehr schöne und gut nutzbare Räume. Im Außengelände stellte das pädagogische Team jedoch trotz etlicher interessanter Angebote einen Verbesserungsbedarf fest. So beobachteten die Erzieherinnen, dass die Plätze hinter einem kleinen Hügel sowie der Raum unterhalb des aufgeständerten Spielhauses von den Kindern gerne aufgesucht wurden, obwohl sie dafür nur eingeschränkt geeignet waren: Die dortigen Bäume und Sträucher boten kaum Sichtschutz und die am Spielhaus verbauten Beton-Böschungssteine stellten sogar ein gewisses Unfallrisiko dar.
Deswegen beschlossen wir, diese Ecke des Gartens insgesamt neu zu strukturieren – mit dem Ziel, eine bewusst nur wenig einsehbare „grüne Ecke“ zu schaffen. Während das bestehende Holzspielhaus bei dieser Gelegenheit einen neuen Anstrich erhielt, modellierten wir mit Kies und Erde einen flachen Wall, hinter dem eine großzügige, mit Hackschnitzeln befüllte Bodenmulde als eine Art Nest entstand. Die Beton-Böschungssteine wurden ausgebaut und durch Granit-Findlinge ersetzt. Mit diesen Steinen und den neu gepflanzten Sträuchern gestalteten wir auch die Eingänge einer vorhandenen, unter das Spielhaus gesetzten Betonröhre. Damit würde diese Röhre bald kaum mehr sichtbar sein und der Raum unter dem Spielhaus als Rückzugs- und Versteckbereich aufgewertet werden.
Die geschilderten Arbeiten waren nur ein Teil der an dem betreffenden „Gartentag“ realisierten Vorhaben, denn neben den Erzieherinnen arbeiteten etwa 20 Eltern (und etliche Kinder) mit, so dass allein an diesem Tag verschiedene Teile der geplanten Umgestaltungsmaßnahmen erledigt werden konnten. Die „grüne Ecke“ wurde bis auf die Pflanzung einiger Sträucher, die noch nicht geliefert werden konnten, fertiggestellt.

Kinder bestimmen die Nutzung

Nachdem diese Arbeiten ausgeführt waren, war nur noch wichtig, dass alle Gehölze wachsen und gedeihen. Denn mit dem Wachstum der Sträucher vergrößert sich der Wert dieser Anlage insgesamt. Obwohl dieser Platz vor allem die Funktion eines wenig einsehbaren Rückzugsraumes aus Bäumen und Sträuchern erfüllen sollte, werden Kinder ihn auch anders gut zu nutzen wissen. Die Offenheit der Gestaltung, die Unterschiedlichkeit der verwendeten Gehölze und nicht zuletzt die Anbindung der neuen Bodenmodellierung und Bepflanzung an die vorhandenen Strukturen von Spielhaus und Betonröhre dürfte eine sehr variantenreiche Nutzung ermöglichenl.

Für Dichtpflanzungen besonders gut geeignete Gehölze

Feldahorn (Acer campestre):
•    Strauch oder kleiner Baum
•    besonders starke Verzweigung bei regelmäßigem Rückschnitt
•    ältere Gehölze auch zum Beklettern geeignet
•    Blütezeit Mai
•    schöne gelbe Herbstfärbung.
Felsenbirne (Amelanchier ovalis)
•    strauchig wachsend bis etwa 2 m Höhe
•    bevorzugt kalkhaltige Böden
•    attraktiver Frühjahrsblüher
•    Blütezeit April
•    Früchte essbar
Apfelbeere (Aronia melanocarpa)
•    strauchig wachsend
•    Wildart bis etwa 2 m Höhe, Kulturformen (mit größeren Früchten) bis etwa 3 m Höhe
•    Blütezeit Mai, wertvolle Bienenweide
•    Früchte essbar
Echte Kornelkirsche (Cornus mas)
•    Großstrauch bis etwa 6 m Höhe
•    attraktiver Frühjahrsblüher, Blütezeit März-April
•    Früchte essbar, wertvolles und häufig genutztes Wildobst
•    auch großfrüchtige Sorten erhältlich (Früchte ausreifen lassen!)

UA-24100054-1