Besucher und Mitbewohner

Die Obstfliege

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Wir sind nicht allein. Mit und neben uns gibt es zahlreiche andere Lebewesen. Manche sind ständig bei uns, manche tauchen nur als Besucher auf. Aber sie sind da – oder könnten schon bald wieder kommen, nach Hause, in die Kita oder in die Grundschule.

Schwüles Sommerwetter und reifes bis überreifes Obst – das genügt, um Bekanntschaft mit einer rasch zunehmenden Menge winziger Insekten zu machen, die so klein sind, dass sich nur schwer herausfinden lässt, um welche Tiere es sich überhaupt handelt.

Plötzlich sind sie überall

obstfliege 01Die kleinen Fliegen können eine Plage sein. Sie umschwirren jedes Buffet, setzen sich auf reifes Obst und Kuchenstücke. Da sie vor allem zuckerhaltige Getränke mögen, schwimmen sie plötzlich im Saftoder Bierglas. Essig scheinen sie besonders zu bevorzugen, denn schon kleinste Reste an einer Flasche locken sie zu Dutzenden an. Das ist zwar nicht schlimm oder gesundheitsschädlich, aber unappetitlich. Hinzu kommt, dass Früchte oft rascher verderben, weil die Tiere Fäulnisbakterien übertragen.

Die winzigen Insekten tauchen zwar vor allem im Sommer auf, kommen aber vom Frühjahr bis zum Spätherbst fast überall vor: in feuchten Laubwäldern und an Waldrändern, aber auch in der Nähe menschlicher Siedlungen. Manche Arten leben nahezu ausschließlich an bestimmten Sträuchern oder Bäumen, andere brauchen verrottende und faulende Pflanzenreste, um sich vermehren zu können, und wieder andere werden von überreifen Früchten und Getränkeresten in offenen Flaschen angelockt. Diese Arten kann man als Kulturfolger bezeichnen, denn sie haben sich sehr gut an menschliche Aktivitäten angepasst und finden in unserer Nähe jede Menge Nahrung. Das schließt neben allen möglichen zuckerhaltigen Speisen und Getränken auch Fruchtund Gemüsereste ein, die wir kompostieren. Es gibt also Arten, die uns nur im Freien begegnen, und andere, die sich mehr und mehr an ein Leben „unter Dach“ gewöhnt haben.

Oft werden die Tierchen als Obstfliegen, Fruchtfliegen oder Essigmücken bezeichnet. Die heute allgemein anerkannte Bezeichnung lautet jedoch Taufliegen, was mit einer Besonderheit ihres Verhaltens zu tun hat: Sie fliegen nämlich überwiegend morgens und abends, also zu jenen Zeiten, in denen sich Tau niederschlägt.

Am häufigsten begegnen uns Arten der Gattung Drosophila: 2 bis 3 Millimeter große und dunkel gefärbte Fliegen mit roten Augen. In Innenräume gelangen sie entweder durch offene Türen und Fenster – angelockt von entsprechenden Gerüchen – oder als Eier auf gekauften oder im Garten geernteten Früchten. Sie sind nicht unbedingt schädlich, sondern eher als Lästlinge anzusehen. Höchstwahrscheinlich spielen sie sogar eine wichtige ökologische Rolle: Ihre Lebensweise deutet darauf hin, dass sie Essigsäurebakterien verbreiten und damit die Essigsäuregärung entscheidend fördern.

Wie Kinder Taufliegen sehen

Für Kinder sind Taufliegen zunächst uninteressant. Als ihre Erzieherin sie fragte, ob sie eine solche Fliege zeichnen wollen, waren sie nicht dafür zu begeistern. Erst als die Erzieherin ihnen etwas über die Tiere erzählte, wurden sie neugierig. Einem Kind fiel ein, dass solche Fliegen immer wieder auftauchen, wenn es Brotzeit gibt.

Das ist übrigens ein schönes Ergebnis dieser kleinen Portraitreihe über Tiere: Die Kinder beteiligen sich nicht nur gern, wenn es einen neuen „Auftrag“ zum Zeichnen gibt, sondern interessieren sich wirklich für das betreffende Tier, erzählen von ihren Beobachtungen und diskutieren ihre Einschätzungen.

Vorbeugen ist besser als Bekämpfen

Trotz der ökologischen Bedeutung der kleinen Fliegen wollen wir sie natürlich nicht an und in unseren Speisen und Getränken haben. Zumal die große Anzahl an Eiern, die ein Weibchen ablegen kann, und die Geschwindigkeit, mit der sich in kürzester Zeit eine riesige Zahl Taufliegen entwickelt, eine Massenvermehrung in Gang setzt. Um das zu verhindern, wird häufig eine Mischung aus Fruchtsaft, Essig und Wasser empfohlen, der ein Spritzer Spülmittel zugesetzt werden sollte. Der Geruch lockt die Fliegen an, und sie ertrinken in der Flüssigkeit, da das Spülmittel die Oberflächenspannung herabsetzt. Gegen dieses Mittel spricht jedoch: Es lockt ständig neue Fliegen an, sodass der Bekämpfungserfolg letztlich meist gering bleibt. Auch die Möglichkeit, an jedem Buffet, neben jedem Obstkorb und zwischen allen zuckerhaltigen und alkoholischen Getränken fleischfressende Pflanzen zu platzieren, ist keine sinnvolle Alternative – obwohl Taufliegen zu den Hauptnahrungsmitteln von Sonnentau, Fettkraut und Co gehören. Praktikabler ist die Vertreibung durch dem Duft von Nelkenöl, Basilikum, Sandelholz und Heiligenkraut. Auch regelmäßiges Lüften hilft, die Konzentration von Gärgasen im Raum zumindest deutlich zu senken. Das Beste ist jedoch, im Sommer vor allem in der Küche auf Sauberkeit zu achten: reife Äpfel, Birnen und Beeren im Obstund Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren, Trinkgläser möglichst unmittelbar nach Gebrauch spülen, Abfälle nicht liegenlassen, Arbeitsflächen sorgfältig reinigen und Mülleimer täglich leeren. Wer nicht auf eine Obstschale verzichten will, kann sie mit einem engmaschigen Fliegenschutznetz vor Befall schützen.

Steckbrief Obstfliege

Die Obstfliegen, auch Frucht-, Gär-, Most- oder Essigfliegen genannt, bilden eine eigene Familie (Drosophilidae) in der Unterordnung der Fliegen (Brachycera) innerhalb der Insektenordnung der Zweiflügler (Diptera).

In Österreich werden sie wie andere kleine Zweiflüglern auch als Mücken bezeichnet. Die heute allgemein übliche Bezeichnung lautet Taufliegen. Weltweit gibt es über 3.000 Arten. Davon leben etwa 50 in Deutschland. Die exakte Artbestimmung ist meist schwierig.

Größe und Aussehen: in der Regel nur 1 bis 3 Millimeter groß, oft schwarz oder rötlich.

Sinnesorgane: sehr guter Geruchssinn, der in Verbindung mit dem Tastsinn auch bei der Paarung eine große Rolle spielt. Der offenbar komplexe Sehsinn (Bewegungssehen!) ist noch wenig erforscht.

Lebensdauer: meist mehrere Generationen pro Jahr, da der Lebenszyklus kurz ist – nur etwa 14 Tage von der Eiablage bis zum fertigen Insekt. Die Lebenserwartung einer Taufliege: etwa 40 Tage.

Ernährung: bei den meisten Arten pflanzliche Nahrung, vor allem reifes und überreifes Obst, faulende und gärende Substanzen sowie Getränkereste wegen der darin enthaltenen Hefepilze und Bakterien.

Natürliche Feinde: Käfer, Raubfliegen und zahlreiche andere Insekten, Spinnen und Kröten.

Fortpflanzung: Nach der Paarung legt ein weibliches Tier bis zu 400 Eier in gärende Pflanzenstoffe, die spätere Nahrung der Larven. Nach dem Schlüpfen durchlaufen d e Larven drei Stadien, bevor sie sich in braune Tönnchen verpuppen, aus denen sich schließlich die fertigen Insekten entwickeln.

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: die Obstfliege. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

oder

Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: die Obstfliege. In: Wamiki, Heft 4/2016. Berlin: Was mit Kindern GmbH

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