Besucher und Mitbewohner

Die Katze

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Wir sind nicht allein. Mit und neben uns gibt es zahlreiche andere Lebewesen. Manche sind ständig bei uns, manche tauchen nur als Besucher auf. Aber sie sind da – oder könnten schon bald wieder kommen, nach Hause, in die Kita oder in die Grundschule.

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Der Garten des Kinderhauses gehört natürlich auch zum Revier der Nachbarskatze. Zur Freude der Kinder, die es nicht stört, dass die Erzieherinnen sich immer wieder mit den Hinterlassenschaften des Tiers befassen müssen. Als die Kinder gebeten wurden, auch für diesen Beitrag Zeichnungen anzufertigen, waren sie mit besonders großer Begeisterung dabei...

Räuberisches Streicheltier...

katze 02Katzen verstehen sich hervorragend darauf, einen guten Eindruck zu machen: Meist sind sie freundlich zurückhaltend, selten laut, bewegen sich mit Grazie und eindrucksvoll kontrollierter Kraft, finden aber auch immer Gelegenheit zum Entspannen, Genießen, Schlafen. Dazu kommt eine sehr effiziente Körperpflege, um die sie sich ganz allein kümmern und die sicherlich entscheidend zum angenehmen Geruch ihres Fells beiträgt. Nur ihr Mundgeruch lässt zu wünschen übrig, aber das hat mit der Ernährung zu tun. Damit sind wir auch schon bei einem gern übersehenen Tatbestand: Katzen sind und bleiben Raubtiere. Das wird spätestens deutlich, wenn man sie beim Fang und beim Erlegen einer Maus oder einer Eidechse beobachtet.
Allerdings besitzen sie bestimmte soziale Verhaltensweisen, die es ihnen ermöglichten, im Laufe vieler tausend Jahre zu so engen Begleitern des Menschen zu werden, dass sie heute vielfach ganz selbstverständlich als Haus-, Heim- und Streicheltiere betrachtet werden. Sie sind auch nur bedingt als Einzelgänger anzusehen. Zwar sind sie auf ihren Jagden und Beutezügen allein unterwegs, aber sonst halten sie sich gern in Gesellschaft auf – in kleineren und größeren Gruppen von Verwandten und Bekannten, aber auch in der des Menschen. Das führte dazu, dass die Hauskatze heute als Kulturfolger weltweit verbreitet ist. Man schätzt ihren Bestand – einschließlich verwilderter Populationen – auf über eine Milliarde Tiere. Allein in Deutschland sollen es über 13 Millionen sein. (1)

... hochbegabt...

Eine Katze hat etliche faszinierende Fähigkeiten und Eigenschaften, die ihre Beliebtheit erklären. Neben ihrem attraktiven Erscheinungsbild besitzt sie interessante Kommunikationsstrategien. Ihr emotionales Befinden und ihre Erwartungen kann sie in gut abgestufter Weise signalisieren. Das betrifft die Körperhaltung insgesamt, die Bewegungen ihres Schwanzes, die Stellung der Ohren und nicht zuletzt ihre Gesichtsmuskulatur. Von ihr fixiert zu werden, bedeutet zunächst nichts anderes als Aufmerksamkeit. Verengen sich ihre Pupillen aber zu Schlitzen, und ihre Ohren klappen nach hinten, heißt das nichts Gutes. Es ist eine ziemlich deutliche Kampfansage, mindestens aber eine Warnung. Vor ihren scharfen Krallen nimmt man sich dann besser in Acht. Will sie hingegen Entspannung und Wohlbefinden signalisieren, werden die Augen halb geschlossen. Schaut sie uns dabei an, können wir das fast schon als freundliche Zustimmung deuten – wozu auch immer.
Besonders bei der Hauskatze spielen auch akustische Signale eine große Rolle. Während eine Wildkatze kaum Laute von sich gibt, hat die Hauskatze gelernt – und gibt das auch an ihre Jungen weiter –, mit ihrem Miauen Aufmerksamkeit zu erregen, Zuwendung einzufordern und Nahrung zu erhalten. Ihr Schnurren ist jedoch immer noch etwas rätselhaft. Meist drückt dieser dunkel und leise vibrierende Laut Wohlbehagen aus, aber mitunter schnurrt eine Katze auch, wenn sie Schmerzen hat oder krank ist. Dann dient das vermutlich der eigenen Beruhigung.
Faszinierend sind auch die Sinnesleistungen einer Katze. Sie kann nicht nur ausgezeichnet Bewegungen wahrnehmen, sondern hat auch ein äußerst feines Gehör (2) und einen guten Geruchssinn, der nicht zuletzt dazu dient, andere Katzen erkennen und einschätzen zu können: Wer hält sich noch im Revier auf? Ist es eine Katze oder ein Kater? Vielleicht gar ein Rivale?
Nicht zu vergessen: die Schwindelfreiheit der Katze und ihr sehr guter Gleichgewichtssinn. Kommt es mal zu einem Sturz aus größerer Höhe, dreht sich das Tier reflexhaft in die Bauchlage und landet mit weit gespreizten Pfoten meist unbeschadet auf dem Boden.
Zu den besonderen Fähigkeiten der Katze zählt auch ihr Lern- und Erinnerungsvermögen. Sie kann sich wichtige Orte merken und Strategien speichern, die in einer bestimmten Situation erfolgreich waren. Ihr assoziatives Gedächtnis hilft ihr, eine aktuelle Situation genau zu beobachten, mit bereits Erlebtem zu vergleichen und daraus ihre Schlüsse zu ziehen.

... bewundert und verschrien

Man kann annehmen, dass schon die ersten Katzen, die sich Menschen näherten und sich ihnen schließlich anschlossen (3), das aus pragmatischen Gründen taten: Wo Menschen lebten, war es leichter, an Nahrung zu kommen – an verwertbaren Abfall ebenso wie an Ratten und Mäuse, die ihrerseits an menschlichen Abfällen interessiert waren. Die Jagd der Katzen auf diese Tiere stand vermutlich am Beginn der Domestizierung, die aus heutiger Perspektive als durchaus gegenseitig angesehen werden kann: So, wie wir die Katze ganz selbstverständlich als Haustier betrachten, sieht sie in uns – je nach Situation – die Köchin oder den Kellner, die Zimmerwirtin oder den Hausmeister.
Wie eine Katze uns einschätzt, bleibt natürlich weitgehend Spekulation. Aber wir wissen einiges darüber, wie unterschiedlich Menschen in verschiedenen Epochen und Kulturen dieses kleine Raubtier sahen. Im alten Ägypten wurde die Katze als Göttin der Liebe, der Zeugungskraft und als „Mondkatze“ verehrt, die die Sonne vor der Schlange der Finsternis schützt. Der Islam griff dies später auf und sieht sie als „reines“ Tier. Auch in germanischen Religionen und im Hinduismus wird die Katze verehrt. Ganz anders im Katholizismus des europäischen Mittelalters: Man setzte die Katze zwar vielerorts gern zur Bekämpfung von Mäusen und Wanderratten ein, aber sie galt als Unglück bringendes Wesen. Vor allem schwarze Katzen wurden als Boten des Teufels, als Begleiter von Hexen angesehen und manchmal auf Scheiterhaufen verbrannt. Redensarten erinnern heute noch an diese Glaubensvorstellungen.
In der frühen Neuzeit gelangte die Hauskatze auf den Schiffen der Europäer rasch in andere Erdteile, zunächst als reines Nutztier im Kampf gegen Vorratsschädlinge wie Ratten und Mäuse. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich jedoch ein Rollenwandel ab: Die Katze machte als „Heimtier“ Karriere.
In Deutschland gibt es heute deutlich mehr Katzen als Hunde. Das hat Folgen: Die Nachfrage nach entsprechendem Tierfutter trägt zur industriellen Nutztierhaltung bei. (4) Hinzu kommt, dass sich die große Anzahl von Katzen regional auch auf den Bestand von Wildtieren auswirkt, darunter solche, die ohnehin vielfach gefährdet sind: Amphibien, Reptilien, Singvögel.
Was tun? Wem sowohl Katzen als auch die Anliegen von Natur- und Artenschutz wichtig sind, der kann den Ausweg aus diesem Dilemma im Grunde nur in der Bestandsbegrenzung der Katzen finden. Daher sollten Hauskatzen generell kastriert werden – es sei denn, sie sollen aus züchterischen Gründen Nachkommen haben. Andernfalls steht zu befürchten, dass die „Göttin der Liebe“ für mehr Nachkommen sorgt, als es für uns und die Umwelt gut sein kann.

(1) Da sind die zahlreichen verwilderten Katzen nicht mitgezählt. Ihre Zahl wird derzeit auf etwa 2 Millionen geschätzt.
(2) Der Frequenzbereich einer Katze reicht von 55 Hz bis 79 kHz. Deshalb kann die Katze auch die Geräusche von Mäusen wahrnehmen und lokalisieren.
(3) Aufgrund von Knochenfunden in menschlichen Siedlungen im heutigen Irak und in Südost-Anatolien wird der Beginn des Zusammenlebens von Katze und Mensch heute auf die Zeit um 7 000 v. Chr. datiert.
(4) Nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) erzielte der Markt für Katzenfutter innerhalb der Heimtierbranche auch 2016 den größten Umsatz.

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: die Katze. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

oder

Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: die Katze. In: Wamiki, Heft 6/2017. Berlin: Was mit Kindern GmbH

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