Besucher und Mitbewohner

Das Eichhörnchen

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Wir sind nicht allein. Mit und neben uns gibt es zahlreiche andere Lebewesen. Manche sind ständig bei uns, manche tauchen nur als Besucher auf. Aber sie sind da – oder könnten schon bald wieder kommen, nach Hause, in die Kita oder in die Grundschule. Eichhörnchen gehören zu jenen Wildtieren, die große Sympathie genießen. Sie haben sogar ein Kuscheltier-Image, obwohl man sich ihren scharfen Krallen besser nicht aussetzen sollte.

Zutrauliche Wildtiere

eichhoernchen 01Es gibt nicht viele Wildtiere, die uns Menschen so nahe kommen, dass wir sie gut beobachten können. Die Eichhörnchen sind solche Tiere, und nicht selten werden sie so zutraulich, dass sie es sogar wagen, eine Nuss direkt von unserer Hand zu nehmen. Vor allem im Winter, wenn es den Tieren schwer fällt, genügend Nahrung zu finden – Eichhörnchen sind das ganze Jahr über aktiv, halten also keinen Winterschlaf –, ist ihre Scheu vor dem Menschen ziemlich gering. In manchen innerstädtischen Parkanlagen holen sich die Hörnchen „ihre“ Nüsse sogar aus Umhänge- und Jackentaschen…

Das war in früheren Jahrhunderten sicherlich anders, als Eichhörnchen in manchen Gegenden noch gejagt wurden, um Kleidungsstücke aus ihrem Fell zu fertigen. Zumindest in der Jungsteinzeit wurden die Tiere auch gegessen.

Heute hingegen gelten die Eichhörnchen als schützenswerte Wildtiere, und das auch wegen ihrer ökologischen Bedeutung: Da sie sich von vielen unterschiedlichen Samen ernähren und diese Samen (Nüsse) bei der Anlage ihrer Wintervorräte auch in großer Zahl vergraben, tragen sie in erheblichem Maß zur Verjüngung unserer Wälder bei. Denn längst nicht alle Samenverstecke werden wiedergefunden und geleert, sodass die Tiere indirekt für die Verbreitung zahlreicher Bäume und Sträucher – und dadurch für einen artenreichen Mischwald – sorgen.

Ein anstrengendes Leben

Eichhörnchen besitzen verblüffende Fähigkeiten, sich in schwindelerregender Höhe fortzubewegen, Nahrung aufzuspüren, sie sich zugänglich zu machen und ihr Revier gegen Artgenossen zu verteidigen. Doch trotz ihres muskulösen Körperbaus und der Leistungen ihrer Sinnesorgane haben sie kein leichtes Leben. Das zeigt sich allein schon daran, dass rund 80 Prozent der Jungtiere ihr erstes Jahr nicht überleben. Dabei dürfte auch die kräftezehrende, oft halsbrecherische Fortbewegung in den Bäumen eine Rolle spielen. Immerhin laufen und springen die Tiere zumeist in den Baumkronen und kommen nur zwischendurch kurz auf den Boden. In den Bäumen und auf der Erde nutzen sie ganz bestimmte Wege, die man als Eichhörnchenstraßen bezeichnen kann. Besonders deutlich wird das während der Paarungszeit, in der sich Männchen und Weibchen oft stundenlang auf denselben Strecken jagen.

Woher das Eichhörnchen seinen Namen hat

Was würden Sie antworten, wenn ein Kind Sie fragt, weshalb das Eichhörnchen Eichhörnchen heißt? Immerhin gehören Eichen weder zum bevorzugten Lebensraum der Tiere, noch sind Eicheln ihre wichtigste Nahrung. Und die „Pinselohren“ haben eigentlich nichts Hornartiges. Die Antwort führt uns in die Geschichte der deutschen Sprache. Dem Tiernamen liegt nämlich die indogermanische Silbe „aig“ zugrunde, was so viel heißt wie „sich heftig bewegen“. Im Altund Mittelhochdeutschen wurde daraus „eich“, und daran hängte man die Endung „orn“. Als die ursprüngliche Bedeutung im Laufe der Zeit vergessen worden war, orientierte man sich an den allgemein bekannten Wörtern „Eiche“ und „Horn“. Und bald war die Bezeichnung „Eichhorn“ oder „Eichhörnchen“ so verbreitet wie die Tiere selbst.

Kinder lieben Eichhörnchen

eichhoernchen 02Die Tatsache, dass Eichhörnchen trotz mancher Gefährdungen in fast jedem Park und Wald zu beobachten sind – noch dazu das ganze Jahr über und oft sogar aus unmittelbarer Nähe, macht diese Tiere für Kinder besonders interessant. Wie Gänse, Amseln, Tauben oder Mäuse zählen die Eichhörnchen zu den so genannten Kulturfolgern – Tiere, die sich besonders gut an den Menschen angepasst haben und besser als andere Wildtiere in unserer Nähe leben können. Jedenfalls finden Eichhörnchen im Umfeld menschlicher Siedlungen günstigere Lebensbedingungen als im Umland. Dazu gehört zumindest ein höheres Nahrungsangebot, denn was die natürlichen Feinde der kleinen Säugetiere betrifft, so brauchen sie in der Stadt zwar kaum Uhus und andere Greifvögel fürchten, aber dafür gibt es sehr viele Katzen…

Als die Erzieherin, die die für diese wamiki-Reihe zeichnenden Kinder betreut, ein wenig vom Leben der Eichhörnchen erzählte, war aber ein anderer Sachverhalt für die Kinder aufregender als die Gefährdung durch „Kletterkatzen“. Die Tatsache nämlich, dass sich Eichhörnchen gern Eier aus Vogelnestern schmecken lassen. Diese Räuberei fanden einige Kinder schlicht empörend. Irgendwie passte sie nicht zum Bild des großäugigen, putzigen Tierchens und wurde beim Zeichnen nur von wenigen Kindern aufgegriffen. Überhaupt das Zeichnen, das Erzählen und der Austausch über die jeweiligen Tiere: Immer stärker zeigt sich, wie wichtig den Kindern in dieser Kita das Ritual des Tiere-Zeichnens ist. Waren es anfangs nur wenige Mädchen und Jungen, die sich meldeten, wenn die Erzieherin ein Tier vorstellte und um Zeichnungen bat, nehmen mittlerweile immer mehr Kinder daran teil. Sie stellen Fragen zur Lebensweise des jeweiligen Tieres und diskutieren manchmal leidenschaftlich über das „Gute“ oder „Böse“ verschiedener Ernährungsweisen. Die Zeichnungen spiegeln dieses Interesse je nach Alter der Kinder. Selbst die Jüngsten sind mit großem Ernst und Eifer bei der Sache, und sie freuen sich, wenn ihnen ein Bild gelungen ist und vielleicht sogar gedruckt werden kann.

Steckbrief Eichhörnchen
Das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist eine von etwa 20 Arten der Gattung Baumhörnchen (Sciurus) in der Familie der Hörnchen. Weltweit gibt es etwa 270 verschiedene Hörnchen-Arten, die sich in Größe und Lebensweise teilweise stark unterscheiden. Die folgenden Angaben beziehen sich aber alle auf „unser“ Eichhörnchen. Neben der gerade im Winter anstrengenden Futtersuche machen den heimischen Hörnchen in bestimmten Gegenden auch Einwanderer zu schaffen. Vor allem das größere und kräftigere amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), das Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien ausgesetzt wurde und sich mittlerweile in Europa ausbreitet, verdrängt mancherorts das heimische Eichhörnchen. Ein Grund dafür: Das Grauhörnchen findet nicht nur seine im Herbst vergrabenen Nahrungsvorräte leichter wieder, sondern nutzt auch die Vorrätedes Europäischen Eichhörnchens.

größe und aussehen: Kopfrumpflänge zirka 20 Zentimeter und auffällig buschiger Schwanz von ebenfalls etwa 20 Zentimetern Länge, fünf Zehen an den Hinterfüßen und vier Zehen an den Vorderfüßen, große Augen und „Pinselohren“.

Sinnesorgane: ausgezeichneter Sehsinn mit der Möglichkeit, auch Entfernungen sehr gut abschätzen zu können (wichtig für das Springen in den Baumkronen), dazu ausgeprägter Tastund Geruchssinn.

Lebensdauer: durchschnittlich etwa drei Jahre, selten mehr als sechs Jahre. ernährung: Samen und Früchte als Hauptnahrung, gelegentlich auch Vogeleier, Insekten und andere Kleintiere. Außerdem Knospen, Rinden, Baumsäfte, Flechten und Pilze.

Natürliche feinde: Greifvögel wie Bussard, Habicht und Uhu, Marder und Hauskatzen. Nur etwa ein Fünftel der Jungtiere überlebt das erste Jahr.

Fortpflanzung: Nach der Paarungszeit im Winter (Januar–Februar) bringt das Weibchen nach etwa fünf Wochen in einem kugeligen Nest (Kobel) hoch in einer Baumkrone ein bis sechs Junge zur Welt. Die zunächst nackten und blinden Jungtiere werden etwa zwei Monate lang gesäugt, verlassen aber schon nach sechs Wochen das erste Mal das Nest und beginnen mit der Nahrungssuche. oft eine zweite Paarungszeit im späten Frühjahr.

 

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: das Eichhörnchen. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

oder

Österreicher, Herbert: Besucher und Mitbewohner: das Eichhörnchen. In: Wamiki, Heft 5/2016. Berlin: Was mit Kindern GmbH

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