Bahn frei für Kinderfahrzeuge!

Elemente der Gartengestaltung in Kitas: der Fahrweg

 download demo smallArtikeldownload
PDF-Datei

Herbert Österreicher plant und gestaltet Freianlagen von Kitas, Horten und Grundschulen. In einer neuen Serie berichtet er an Beispielen, worauf man bei der Gartengestaltung achten sollte und was Kinder im Außengelände brauchen, um sich wohl zu fühlen.

Befestigte Flächen sind ein zentraler Bestandteil jedes Außengeländes. Dabei geht es hauptsächlich um die Bereiche an Ein- und Ausgängen des Kitagebäudes sowie um Terrassenflächen. In vielen Fällen werden diese Flächen auch zum Befahren mit Bobbycars, Dreirädern und anderen Kinderfahrzeugen genutzt – was nicht immer konfliktfrei ist. Immerhin handelt es sich hier um allgemein genutzte Zugangs- und Wegflächen. Dort beginnen häufig auch Kleinkinder, den Garten zu erobern, krabbelnd oder mit noch unsicheren Schritten. Es spricht also vieles dafür, den Kindern gesonderte Fahrflächen anzubieten und damit die Ein- und Ausgangsflächen zu entlasten.

Den Gartenverkehr umleiten

Das Beispiel der Kindertagesstätte St. Marien in Schaibing, östlich von Passau, zeigt, wie der Wunsch nach einer verbesserten Nutzung des Gartengeländes zu einer Lösung führte, die vor allem den Einsatz von Kinderfahrzeugen gut reguliert hat. Dazu muss man zunächst wissen, dass in St. Marien aktuell rund 65 Kinder betreut werden, mit einer großen Altersspanne: von Kleinkindern bis hin zu Grundschülern. Außerdem hat die Kita derzeit vier Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten (»Inklusionskinder«).
Das rund 1.500 Quadratmeter große Außengelände grenzt unmittelbar an das Gebäude und liegt auf einem sanften Abhang. Der Höhenunterschied zwischen dem Gebäude und der Grundstücksgrenze beträgt etwa zwei Meter. Etliche ältere Bäume bieten Schatten und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Das sind vergleichsweise gute Bedingungen für den Aufenthalt im Freien. Doch im Lauf der Jahre wuchs der Wunsch nach einer Erneuerung des Gartengeländes. Dabei sollten nicht nur einige ältere Spielgeräte repariert oder ersetzt werden. Das Team des Hauses wollte den Kindern draußen mehr Handlungsmöglichkeiten bieten, um damit dem pädagogischen Anspruch des Hauses auch im Außengelände stärker Rechnung zu tragen. Außerdem war die alte, etwas beliebig wirkende Anordnung etlicher Spielgeräte und Spielhäuschen unbefriedigend. So kam es zu einer Runderneuerung des Gartens, bei der von Anfang an ein Aspekt eine besonders große Rolle spielte: Entlegenere Ecken des Gartens sollten attraktiver werden und dadurch das Spielgeschehen auf der hausnahen Terrassenfläche entzerren.

Kitagelaende vor der Neugestaltung

Kitagelände vor der Neugestaltung

Infos zur Einrichtung
Kindertagesstätte St. Marien

Belegung: 65 Kinder 3 bis 6 Jahre, 4 Kinder unter 3 Jahre, 3 Grundschulkinder (darunter 4 Inklusionskinder)

Leitung: Astrid Schartner, Ilona Bauer (stellv.)

Anschrift: Dorfstraße 24, 94107 Untergriesbach (Schaibing)
Träger: Pfarrkirchenstiftung Schaibing
Außengelände: rund 1.600 Quadratmeter

Kitagelaende vor der Neugestaltung2

Kitagelaende vor der Neugestaltung3
Kitagelände vor der Neugestaltung

Der Weg als Gestaltungs- und Spielelement

Ein Weg hat zunächst die Aufgabe, bestimmte Bereiche in einem Gelände miteinander zu verbinden. Das trifft auch auf einen Fahrweg zu – selbst wenn das Fahren an sich für Kinder bereits sehr reizvoll ist. Aber nur im Kreis zu fahren, ist nicht besonders spannend ...
 
Für das Außengelände der Kindertagesstätte in Schaibing kamen also zwei Dinge zusammen: Einerseits sollte die Terrasse vor dem Haus von bewegten Fahrzeugen entlastet werden, andererseits war es naheliegend, die neu gestalteten Spielbereiche am anderen Ende des Gartens mit einem Weg miteinander zu verbinden. Der Weg sollte somit zugleich ein Verbindungsweg und ein attraktives Angebot zur Nutzung der Kleinfahrzeuge sein.
Für die konkrete Planung des Fahrweges waren verschiedene Aspekte von Bedeutung. Im Gegensatz zu einer »praktischen«, sprich: der kürzest möglichen, Verbindung zwischen Anfangsund Endpunkt spielten hier andere Dinge eine weit größere Rolle: Für Kinder reizvoll wird ein Weg vor allem dann, wenn er an manchen Stellen weniger gut einsehbar ist und insgesamt einen überraschenden Streckenverlauf hat. Hinzu kommt, dass bestimmte Schwierigkeitsgrade die Attraktivität eines Fahrweges deutlich steigern: mehrere möglichst unterschiedlich enge Kurven, Steigungen bzw. Gefälle und eventuell auch unterschiedliche Wegbreiten (Ausweichstellen). Damit stellt der Weg ganz nebenbei einen spielerischen Beitrag zur Bewegungsförderung dar. Für den Fahrweg in Schaibing kommt noch hinzu, dass wir ihn über eine kleine Holzbrücke führen konnten, die eine Abflussrinne des neuen Wasserspielplatzes überquert. Diese Brücke besitzt übrigens keine seitliche Absturzsicherung, ist aber etwas breiter als der übrige Fahrweg. Der Fahrweg endet mit einem kleinen, tropfenförmigen Wendeplatz. Dieser befindet sich im Zentrum einer Gruppe neu aufgestellter Holzspielhäuser. Eingerahmt von Bodenmodellierungen und Sträucherpflanzungen ist dort ein Spielbereich entstanden, der heute zu den Lieblingsplätzen der Kinder zählt. Die Tatsache, dass der neue Weg beinahe über das gesamte Gelände hinweg die Kitaterrasse mit den Spielhäuschen verbindet, hat auch einen praktischen Nutzen. Bei Regenwetter und matschig-nassen Bodenverhältnissen stellt er einen befestigten und jederzeit gut begehbaren Gartenweg dar.

Gartentage mit vielen Helfern

Arbeiten zur NeugestaltungNachdem das Gesamtkonzept zur Neugestaltung des Gartengeländes erstellt worden war und allgemeine Zustimmung gefunden hatte, ging es darum, die Planung umzusetzen. Auf Wunsch der Kitaleiterin, ihres gesamten Teams und des Elternbeirates wurden die Ausführungsarbeiten gemeinsam mit zahlreichen Eltern und Teammitgliedern an drei »Gartentagen« erledigt, tatkräftig unterstützt von Mitarbeitern des Bauhofs der Gemeinde Schaibing. Nach einem ersten Tag, an dem vor allem an neuen Spielbereichen für Kleinkinder gearbeitet wurde, ging es an einem zweiten Gartentag schwerpunktmäßig um das Anlegen des Fahrweges. Dazu hatten Mitarbeiter des Bauhofs die rund 60 Meter lange und 80 Zentimeter breite Wegstrecke ausgekoffert und eine entsprechende Kiesschicht als Unterbau (Tragschicht) eingebaut. Am betreffenden Gartentag herrschte zwar regnerisches Wetter, aber wir konnten dennoch etwa zwei Drittel des Fahrweges bauen. Als Material hatten wir uns für ein Beton-Rechteckpflaster entschieden, das sich nicht nur einfach verlegen lässt, sondern auch gut geeignet ist, gekrümmte Wegflächen herzustellen. Die Fertigstellung des Fahrweges übernahm in der darauffolgenden Woche der Bauhof der Gemeinde. In ähnlicher Weise unterstützte er auch den dritten Gartentag mit Eltern und Team, an dem der Wasserspielplatz erneuert und die Garten-Neugestaltung insgesamt abgeschlossen wurde. Wie sich bei diesem Partizipationsprojekt gezeigt hat, kann ein Pflasterweg sehr gut mit Laien angelegt werden. Allerdings hatte der eine oder andere Beteiligte bereits Vorerfahrung mit solchen Arbeiten, so dass die Pflasterung ziemlich rasch voranging. Etwas mehr Zeit brauchte der Einigungsprozess, als es darum ging, eine praktikable und gleichzeitig ansprechende Musterung für das Pflaster am Wendeplatz des Fahrweges zu finden...

Nach der Umgestaltung 1

Nach der Umgestaltung

Ein Erfolgsweg – gerne und ausgiebig genutzt

Nach der Umgestaltung 2Mittlerweile ist der Fahrweg seit längerem in Gebrauch. Erwachsene wie Kinder haben daher schon eine Reihe positiver Erfahrungen machen können. An erster Stelle steht sicherlich, dass der Weg für die vorhandenen Kleinfahrzeuge sehr gut geeignet ist und von den Kindern bei jeder Gelegenheit gern genutzt wird. Zwar kommt es immer wieder vor, dass auch auf der Rasenfläche neben dem Weg gefahren wird, aber das verkraftet der Rasen. Zudem wissen wir aus Erfahrung, dass es auch bei deutlich breiteren Wegen oder Terrassenbelag nie ganz ausbleibt, dass Kinder neben der befestigten Fläche fahren. Die Ausgangsüberlegung, auch mithilfe des Fahrweges das Spielgeschehen auf der Terrasse vor dem Haus zu entzerren, hat sich als richtig erwiesen. Heute verteilen sich die Kinder deutlich besser als früher über das gesamte Außengelände der Kindertagesstätte, der Fahrweg trägt dazu offensichtlich bei. Besonders wichtig und interessant ist, wie die Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten mit diesem Weg umgehen. Die Erzieherinnen konnten vielfach erleben, dass diese Kinder ganz besonders von dem betreffenden Fahr- und Bewegungsangebot profitieren. Dabei stellt auch die Brücke über den Entwässerungsgraben kein Problem dar.

Die Kinder verhalten sich an dieser Stelle stets vorsichtig und sehr geschickt

Wesentlich für die Pflege des Außengeländes ist im Übrigen, dass ein Fahrweg keine Erschwernis beim Rasenmähen darstellt. Wenn der Belag überall dem Geländeniveau folgt, gibt es keine Stolperschwellen oder störende Ränder. Sicherlich lässt sich die Anlage eines solchen Weges nicht ohne Weiteres auf andere Außengelände übertragen. Aus Sicht der Kindertagesstätte in Schaibing kann man jedenfalls resümieren, dass sich der Bau gelohnt hat und dieser Fahrweg eine schöne Bereicherung des Gartens darstellt.

Zitiervorschlag:
Österreicher, Herbert: Bahn frei für Kinderfahrzeuge! Elemente der Gartengestaltung in Kitas: der Fahrweg. In: www.kinderfreiland.de. Datum des Zugriffs dd.mm.jjjj

oder

Österreicher, Herbert: Bahn frei für Kinderfahrzeuge! Elemente der Gartengestaltung in Kitas: der Fahrweg. In: Betrifft Kinder, Heft 01-02/2016. Berlin und Weimar: verlag das netz

UA-24100054-1