Für sich sein

Die Fackelkolben waren höher als Kezia; die japanischen Sonnenblumen bildeten einen kleinen Urwald für sich. Sie setzte sich auf eine der kleinen Buchsbaumhecken. Wenn man den Buchs fest hinunterdrückte, saß man sehr bequem. Aber wie staubig war er innen drin! Kezia bückte sich, um hineinzuschauen, und mußte niesen und sich die Nase reiben. Und dann stand sie plötzlich ganz oben auf dem grasbewachsenen Abhang, der sich wellig zum Obstgarten senkte...

Einen Augenblick musterte sie den Abhang, dann legte sie sich auf den Rücken und rollte quietschend bis in die blühende Obstgartenwiese hinunter. Sie blieb liegen und wartete, daß alles aufhörte, sich zu drehen, und dann beschloß sie, ins Haus zu gehen und das Dienstmädchen um eine leere Zündholzschachtel zu bitten. Sie wollte ihre Großmutter überraschen. Zuerst würde sie ein grünes Blatt mit einem großen Veilchen hineinlegen, dann vielleicht zwei sehr kleine weiße Federnelken rechts und links vom Veilchen, und zuletzt würde sie Lavendelblütchen darüberstreuen, aber so, daß die Blumen nicht zugedeckt wurden.
Sie erfand häufig solche Überraschungen für die Großmutter, und immer wurden sie sehr bewundert.

Mansfield, Katherine (1980). Ein Mädchen aus Neuseeland. Erzählungen. 
Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg (orig. Prélude, 1916. Aus dem Englischen von Elisabeth Schnack) (S. 51 f.)
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